Nur 0:0 gegen Paderborn: Wolfsburg muss weiter zittern
Calvin Brackelmann vom SC Paderborn und der Wolfsburger Dzenan Pejcinovic (vorne) im Zweikampf. Foto: Swen Pförtner/dpa
Wolfsburg gegen Paderborn - dieses Relegations-Duell ist nach einem Spiel noch lange nicht entschieden. Favorit Wolfsburg tut sich gegen den Zweitligisten unerwartet schwer.
Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg muss weiter um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zittern. Nach der Aufholjagd der vergangenen Wochen reichte es im ersten Relegationsspiel gegen den Zweitligisten SC Paderborn nur zu einem 0:0. Vor 27.800 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen Arena verdiente sich der Außenseiter eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Pfingstmontag im eigenen Stadion. Dann muss allerdings Jonah Sticker nach einer späten Gelb-Roten Karte (90.+4) zuschauen.
„Bei uns hat jeder alles auf dem Platz gelassen. Wir haben den Aufstieg noch lange nicht erreicht, aber jetzt haben wir ein echtes Finale zu Hause. Da gilt es, noch einmal alles abzurufen und das Ding über die Ziellinie zu bringen“, sagte SC-Abwehrspieler Laurin Curda. Und Torwart Dennis Seimen, der im Sommer zum VfB Stuttgart zurückkehrt, meinte vor seinem letzten Spiel für die Ostwestfalen: „Ich möchte mit Paderborn unbedingt aufsteigen.“
Das wollen die Wolfsburger mit aller Macht verhindern. „Klar hätten wir uns gewünscht zu gewinnen und ein, zwei Tore zu schießen. So haben wir am Montag ein Endspiel. Wir wissen, dass viel Druck auf diesem Spiel ist. Aber in unseren Augen können wir etwas gewinnen. Deshalb bleiben wir positiv“, sagte Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt.
Paderborn mit dem besseren Start
Das Erreichen dieser Relegationsspiele sei für beide Teams ein Erfolg, hatte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking vorher gesagt. Sein VfL stand bis zum 32. Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz. Die Paderborner sprangen erst beim Saisonfinale der zweiten Liga auf Rang drei. Entsprechend selbstbewusst trat zunächst aber nur der Außenseiter auf.
Schon in der 9. Minute hätte Paderborn in Führung gehen können, als Santiago Castaneda nach einem Eckball aus kurzer Distanz zum Schuss kam. Doch Wolfsburgs Verteidiger Jeanuel Belocian und Torwart Kamil Grabara klärten gemeinsam auf der Torlinie.
Wolfsburg scheut das Risiko
Der Zweitligist verteidigte diszipliniert, agierte sehr ballsicher und profitierte auch davon, dass die Wolfsburger in diesen ersten von mindestens 180 Relegationsminuten das Risiko scheuten. Der VfL tat sich schwerer als nach den erfolgreichen Vorwochen erwartet und wurde erst nach einer halben Stunde dominanter.
Die beste Chance vergab Adam Daghim in der 32. Minute, als er nach einem Steilpass von Mattias Svanberg auf einmal frei vor dem Paderborner Tor auftauchte, aber an Schlussmann Dennis Seimen scheiterte.
Ansonsten gab es vor der Pause nur Halbchancen für den VfL: einen Distanzschuss von Denis Vavro (23.). Einen schönen Angriff über die rechte Seite, an dessen Ende Joakim Maehle den Ball nicht richtig traf (30.). Eine gefährlich abgefälschte Flanke von Christian Eriksen (43.).

Volkswagen-Chef Oliver Blume beim ersten Relegationsspiel des VfL Wolfsburg. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Dabei war die Atmosphäre in der Volkswagen Arena so lautstark und energiegeladen wie sonst nur selten. Die Spiele der vergangenen Wochen haben Fans und Mannschaft wieder zusammengebracht. Auf der Tribüne stand auch Volkswagen-Chef Oliver Blume und schwenkte einen grün-weißen Schal.
Dominant, aber harmlos
In der 51. Minute hätte er beinahe auch zum ersten Mal gejubelt. Doch wieder stand Paderborns Torwart Seimen dem schnellen Daghim im Weg. Diesmal klärte er eine Hereingabe des Dänen. Vor dem Tor hatten zwei Wolfsburger Angreifer in bester Position auf diesen Ball gewartet.
Für den VfL sprach an diesem Abend, dass er nie die Geduld und die Struktur verlor und so den Druck immer weiter erhöhte. Anders als vor der Pause unterband man fast jeden Paderborner Gegenstoß nun schon auf Höhe der Mittellinie. Die Gäste kamen kaum noch zum Durchatmen.
Allerdings blieb der Bundesligist im letzten Drittel ungefährlich. Ein Kopfball von Daghim (63.), ein Freistoß von Eriksen (67.) - alles zu harmlos. Daran änderten auch die offensiven Einwechselungen von Mohammed Amoura und Lovro Majer nichts. Aus diesen enormen Qualitätsvorteilen machten die Wolfsburger an diesem Abend zu wenig. Am Ende hatte der VfL sogar noch Glück, als Filip Bilbija die zweite Paderborner Großchance vergab (84.).

Wolfsburgs Jeanuël Belocian (l) stoppt den Paderborner Jonah Sticker. Foto: Swen Pförtner/dpa

Im Kopfballduell: Wolfsburgs Joakim Maehle (r) und Sebastian Klaas vom SC Paderborn. Foto: Julian Stratenschulte/dpa