Boxen

Plötzlich Weltmeister: Kabayel schreibt Box-Geschichte

Schwergewichtsboxer Agit Kabayel strahlt als Weltmeister. (Archivbild)

Schwergewichtsboxer Agit Kabayel strahlt als Weltmeister. (Archivbild) Foto: Bernd Thissen/dpa

Agit Kabayel gelingt Historisches: Der Bochumer krönt sich zum ersten deutschen Schwergewichtsweltmeister seit Max Schmeling. Ohne Kampf. Das versteht nicht jeder.

Von Felix Schröder und Robert Semmler, dpa 28.06.2026, 12:50 Uhr

Bochum. Der Bochumer Boxer Agit Kabayel wollte im Spanien-Urlaub entspannen - doch plötzlich herrscht in der Urlaubsidylle Trubel. Der 33 Jahre alte Sportler erhielt eine der schönsten Nachrichten seines Lebens: Er ist vom Weltverband WBC zum Schwergewichts-Weltmeister ernannt worden. Er ist jetzt der erste deutsche Champion in der Gewichtsklasse der schweren Männer seit 1932. 

„Unbeschreiblich, wirklich, mir fehlen die Worte“, sagte er bei Instagram. „Nach knapp 95 Jahren der erste Schwergewichts-Weltmeister nach Max Schmeling, der erste kurdische Schwergewichts-Weltmeister. Es ist wirklich unbeschreiblich“, schwärmte er. 

„Historischer Tag für den Boxsport in Deutschland“

Kabayels Box-Promoter aus England sprachen von einem „historischen Tag für den Boxsport in Deutschland“. WBC-Präsident Mauricio Sulaiman gratulierte Kabayel persönlich in einem Video-Anruf. Möglich wurde der kampflose Erfolg, da der aktuell beste Schwergewichtler Oleksandr Usyk seine drei Titel niederlegt hatte. Usyk war das Kunststück gelungen, die Titel der konkurrierenden Boxverbände miteinander zu vereinen. 

Statt des erwarteten Duells zwischen Kabayel und Usyk in Deutschland im Herbst, ließ der Ukrainer noch offen, was er zukünftig macht. Nach eigenen Angaben will er sich noch nicht komplett zurückziehen. 

In den vergangenen Monaten hatte Kabayel das Duell immer wieder lautstark gefordert, zuletzt im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft bei Usyks Kampf in Ägypten, als der Ukrainer kurz zuvor vom niederländischen Kickboxer Rico Verhoeven an den Rand der Niederlage gebracht worden war. Im Februar hatte der Verband WBC den Kampf zwischen Kabayel und Usyk angeordnet, weil Usyk immer andere Pläne hatte.

Interimstitel als Belohnung: Kabayel vs. Zhang.

Interimstitel als Belohnung: Kabayel vs. Zhang. Foto: Wang Haizhou/XinHua/dpa

„Natürlich wäre es schön gewesen. Aber ich glaube, Usyk sucht mit 39 die sportliche Herausforderung nicht mehr. Es ist nicht leicht, vom Jäger zum Gejagten zu werden. Vielleicht will er in seinem Alter nicht mehr gejagt werden und hat diesen Spirit nicht mehr“, hatte Kabayel dem Sender ntv gesagt. 

Kabayel bekam den Gürtel zugesprochen, weil er sich Anfang 2025 den Interims-WM-Titel nach einem K.o. gegen den Chinesen Zhilei Zhang gesichert hatte. Er stand also sozusagen in der Pole-Position als Herausforderer. Im Januar verteidigte er diesen Gürtel in Oberhausen vor elektrisierender Kulisse erfolgreich gegen den Polen Damian Knyba.

Ex-Profi Schulz bedauert das kampflose Zustandekommen

Axel Schulz freute sich für Kabayel, aber bedauerte auch, dass der Titel kampflos zustande gekommen sei. „Es ist schade für Agit, weil er die letzten drei Kämpfe sensationell bestritten hat. Das waren Bewährungsproben, die er eindrucksvoll gelöst hat“, sagte der 57-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Kampflos Weltmeister zu werden, ist ein bisschen ungünstig.“

Im Profiboxen gibt es mehrere konkurrierende Weltverbände, die jeweils eigene Weltmeister küren. Durch die vielen Boxverbände und teils undurchsichtigen Titel verstehe man die Regeln nicht mehr, kritisierte Schulz. Zudem brauche es wieder einen Sender, der regelmäßig für viele ohne Zusatzkosten und leicht zugänglich Boxkämpfe überträgt. 

Usyk sei die unangefochtene Nummer eins gewesen, meinte Ex-Profi Schulz. „Dass er die Titel niederlegt, ist traurig.“ Er hätte sich gegen Kabayel stellen müssen, befand Schulz. Nun sei es wichtig, dass Kabayel einen guten nächsten Gegner bekomme. 

Das ist die große Frage: Wird Kabayel weiterhin im Herbst in einer großen Arena wie in Düsseldorf oder Gelsenkirchen kämpfen? Und wie namhaft wird der Gegner? Das Management teilte auf dpa-Anfrage mit, dass es Gespräche mit dem Verband geben werde. „Das Ziel ist weiterhin klar: Agit möchte noch im Herbst in Deutschland kämpfen, bestenfalls einen sehr, sehr großen Kampf machen.“

Bis dahin wird er die Freudenbotschaft in der Sonne Spaniens weiter genießen. Der Weg bis dahin war nicht leicht. Der aktuell in 27 Profiduellen ungeschlagene Profi kämpfte in Deutschland mit Akzeptanzproblemen, betonte immer wieder: „Wenn Deutschland es irgendwann akzeptiert, dass ein Agit Kabayel auch Deutsch sein kann, dann können wir große Meilensteine setzen.“

Er brauche noch Zeit, um das Ganze zu realisieren. Nach 16, 17 Jahre harter Arbeit sei er am Ziel angekommen. Und das bei einem Jungen, an den niemand geglaubt habe. „Ich glaube, die meisten haben mir nicht mal zugetraut, dass ich deutscher Meister werden kann im Schwergewicht“, sagte er. „Und jetzt stehen wir in den Geschichtsbüchern drin mit Muhammad Ali, Mike Tyson, Lennox Lewis.“

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