Reza Pahlavi in Berlin: Hoffnungsträger oder Spaltfigur?
Im Januar folgten im Iran Menschenmassen Pahlavis Protestaufruf. (Archivbild) Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa
Während der Massenproteste im Iran galt Reza Pahlavi vielen als Hoffnungsträger. Durch den Krieg macht sich teils Ernüchterung breit. Nun reist der Sohn des Schahs nach Berlin. Wer ist der Mann?
Teheran/Berlin. Es ist ein kalter Januartag, als sich Reza Pahlavi an die Protestbewegung im Iran wendet. Seit Tagen erschüttern Demonstrationen das Land, ausgelöst damals durch eine schwere Wirtschaftskrise. In einer Videoansprache auf seinem Instagram-Kanal fordert er die Menschen auf, zwei Tage später auf die Straße zu gehen oder von den Balkonen Parolen zu rufen.
Was dann geschieht, überrascht viele im Iran. In den Metropolen folgen Massen dem Aufruf. Für einen Moment wirkt es, als habe die zersplitterte Opposition eine Stimme gefunden. Getragen wird sie von einer Wut, die sich seit Jahren aufgestaut hat: über politische Repression, fehlende Perspektiven und steigende Preise.
Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, reist nun für politische Gespräche nach Berlin. Es ist sein erster offizieller Besuch in der deutschen Hauptstadt. Für viele Exil-Iraner verkörpert er die Möglichkeit eines politischen Übergangs. Für andere steht er für ein monarchisches System, dessen Versprechen sich schon einmal als trügerisch erwiesen hat. An kaum einer Figur zeigen sich die Brüche innerhalb der Opposition so deutlich.
Schwerste Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik
Die Proteste im Januar schlägt der iranische Sicherheitsapparat in nur zwei Nächten brutal nieder, Tausende werden getötet. Für einen kurzen Moment schien dennoch mehr möglich. Der Aufruf und die Bilder aus den Städten nährten in der Protestbewegung Hoffnung auf einen politischen Umbruch. Es sind die schwersten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik.
Nur wenige Wochen später beginnt der Krieg. Israel und die USA greifen den Iran an. In Teilen der Opposition wird er als Chance gesehen, einen Machtwechsel herbeizuführen. Auch Pahlavi unterstützt den Kurs und stellt sich demonstrativ an die Seite von US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Doch die Führung der Islamischen Republik bleibt an der Macht. Zurück bleibt Ernüchterung.
Auch in Deutschland ist die Geschichte der Pahlavi-Dynastie eng mit politischem Protest verknüpft. Beim Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin im Jahr 1967 kam es zu heftigen Demonstrationen. Der Student Benno Ohnesorg wurde am Rande von einem Zivilpolizisten erschossen – ein Ereignis, das bundesweit Empörung auslöste und als Zäsur für die westdeutsche Studentenbewegung gilt.

Im Iran und im Ausland bleibt Pahlavis Rolle umstritten. (Archivbild) Foto: Fredrik Sandberg/TT News Agency/AP/dpa
Wie Pahlavis Vater den Iran mit harter Hand regierte
Der Schah regierte den Iran autoritär. Die Opposition wurde unterdrückt, Kritiker landeten im Gefängnis und der berüchtigte Geheimdienst ging brutal gegen Gegner vor. Gleichzeitig trieb der Schah das Land mit großen Reformprojekten und einer engen Anbindung an den Westen voran. Für viele seiner Gegner stand die Monarchie am Ende für politische Repression, Ungleichheit und eine Entfremdung zwischen Staat und Gesellschaft. 1979 kam es zur Revolution.
Kurz zuvor hatte sein Sohn das Land bereits verlassen, um in den USA eine Pilotenausbildung zu beginnen. Damals waren die Beziehungen zwischen Washington und Teheran noch eng – der Schah galt als wichtiger Verbündeter der USA in der Region.
Seit Jahrzehnten lebt Reza Pahlavi nun im Exil. Er sagt von sich, er stehe für einen Bruch mit den dunklen Kapiteln der iranischen Monarchie. Er spricht von Demokratie, von einem säkularen Staat, von freien Wahlen. Doch wenn es um die Rolle seines Vaters geht, bleibt er vage. In Interviews weicht er den Fragen oft aus. Genau das bringt ihm Kritik ein. Teile seiner Anhängerschaft treten kompromisslos auf. Die Opposition bleibt zersplittert.
Gespaltene Meinungen unter Iranerinnen und Iranern
Im Iran selbst, aber auch im Exil, wird Pahlavi sehr unterschiedlich gesehen. Vor wenigen Wochen, mitten im Krieg, verfolgt der IT-Experte Amir aus Berlin die Angriffe im Iran im Minutentakt. „Sie sollen einfach zuschlagen, bis es zu Ende ist“, sagt er mit Blick auf die gezielten Angriffe auf Irans Führungsspitze. Amir zählt sich zu den Anhängern Pahlavis und hält die konstitutionelle Monarchie für ein geeignetes politisches System im Iran. Auch Hesam, ein Sprachlehrer in Teheran, unterstützt Pahlavi. „Die Gesellschaft wartet nicht mehr auf Reformen“, meint der 38-Jährige.
Andere widersprechen entschieden. „Vor dem Krieg hatte ich das Gefühl, dass die USA und Reza Pahlavi einen genauen Plan für die Zukunft haben“, sagt Taha, ein Tierarzt im Iran. „Aber jetzt, nach 50 Tagen, sehen wir die ganze Zerstörung. Wie kann jemand, der von Demokratie spricht, die Zerstörung der Infrastruktur seines eigenen Landes befürworten?“ Mina, eine Studentin, glaubt, Pahlavis Rückhalt sei aus der Not heraus entstanden. „Wir haben keine bedeutende Opposition, die sich der Islamischen Republik entgegenstellen könnte“, sagt sie.
Der Iran-Experte Arash Azizi sieht darin ein größeres Muster. Der Krieg habe die Spaltung unter Iranerinnen und Iranern weiter vertieft. „Er hat die Unterschiede zwischen Iranern beschleunigt, verstärkt“, sagt der Historiker. Zwar gebe es breite Einigkeit über das Ziel einer Demokratie – „aber sehr wichtige Unterschiede darüber, welche Form sie annehmen sollte“. Diese Konflikte reichen von der Staatsform bis zur Frage, wie ein politischer Übergang überhaupt aussehen kann.
Experte spricht von blutiger, gewaltsamer Geschichte
Azizi verweist dabei auf strukturelle Gründe für diese Spaltung. Große Protestbewegungen hätten oft Schwierigkeiten, sich in eine einheitliche Führung zu übersetzen. Im Iran komme eine Geschichte politischer Gewalt hinzu, die bis heute nachwirke. „Wir sprechen von einer blutigen, gewaltsamen Geschichte“, sagt er. „Das macht es schwierig, dass Menschen die Vergangenheit hinter sich lassen und sich über die Zukunft einigen.“
Auch über den richtigen Weg herrscht Uneinigkeit. „Wir alle lehnen die Islamische Republik ab, aber es wurden sehr unterschiedliche Taktiken und Strategien angewendet“, sagt Azizi. Der Krieg habe eine weitere Bruchlinie geschaffen. „Sind Sie für den Krieg oder dagegen? Das ist eine sehr große Frage.“ Ein gemeinsamer Kurs sei nicht in Sicht.
Reza Pahlavi bereitet sich unterdessen auf seine Reise nach Berlin vor. Während seine Anhänger gespannt auf seine Ankunft warten, sind erste Proteste gegen den Besuch bereits angekündigt. Eine fragile Waffenruhe im Iran-Krieg hat US-Präsident Trump nun überraschend verlängert. Das Land blickt unterdessen auf eine mögliche zweite Verhandlungsrunde zwischen Vertretern aus Washington und Teheran. Die Sorge ist jedoch groß, dass der Krieg weitergeht. Welche Rolle der Sohn des Schahs am Ende spielen kann, ist offen.