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Roms Pinien in Gefahr: Droht das große Baumfällen?

Nach Unwettern sind innerhalb eines Monats drei solcher Bäume mitten auf der berühmten Via dei Fori Imperiali umgestürzt - sie zählt zu den beliebtesten Straßen zum Flanieren und vor allem die zahlreichen Rom-Touristen nutzen sie.

Nach Unwettern sind innerhalb eines Monats drei solcher Bäume mitten auf der berühmten Via dei Fori Imperiali umgestürzt - sie zählt zu den beliebtesten Straßen zum Flanieren und vor allem die zahlreichen Rom-Touristen nutzen sie. Foto: Dipartimento Ambiente Roma/dpa

Rom ist eine der grüneren Metropolen Europas - vor allem die riesigen Pinien prägen das Stadtbild. Drei solcher Bäume sind nun mitten im Zentrum umgestürzt. Die Stadt prüft eine heikle Schutzmaßnahme.

Von Robert Messer, dpa Dienstag, 10.02.2026, 08:00 Uhr

Rom. Zwischen den Kuppeln der zahlreichen Kirchen und den antiken Ruinen in Rom ragen sie heraus wie Riesen: die stolzen Pinien mit ihren immergrünen Kronen. Seit jeher gehören die prachtvollen Bäume zum Panorama der Ewigen Stadt. Römer nehmen sie fast schon als selbstverständlich wahr. Doch derzeit sind die „pini“ in der italienischen Hauptstadt wieder einmal ein großes Gesprächsthema. Die Angst vor umstürzenden Pinien geht um.

Nach Unwettern sind innerhalb eines Monats drei solcher Bäume mitten auf der berühmten Via dei Fori Imperiali umgestürzt - der Straße, die im historischen Herzen die Piazza Venezia mit dem Kolosseum verbindet und quer durch die antiken Ausgrabungsstätten der Kaiserforen führt. Der letzte Baum fiel vor gut einer Woche und verletzte drei Personen, glücklicherweise nur leicht.

Die Via dei Fori Imperiali zählt zu den beliebtesten Straßen zum Flanieren und vor allem die zahlreichen Rom-Touristen nutzen sie. Entsprechend nervös wurde man im römischen Rathaus: Der besonders betroffene Abschnitt wurde nach dem letzten Vorfall komplett gesperrt, Fußgänger auf eine andere Straße umgeleitet. Zu groß war die Sorge vor weiteren Bäumen, die möglicherweise in eine Menschentraube fallen und großen Schaden anrichten könnten.

Müssen die gefährdeten Pinien weg?

Die Stadt Rom berät nun über das weitere Vorgehen mit den Dutzenden von Pinienbäumen, die die breite Straße zwischen den Ruinen der Antike säumen. Zwischenzeitlich stand sogar das große Tabu einer flächendeckenden Fällung aller Pinien in diesem Bereich im Raum. Umweltdezernentin Sabrina Alfonsi hat nun aber erst einmal eine Taskforce eingerichtet, in der Experten beraten sollen.

Pinien - auch italienische Steinkiefern genannt - sind in Rom mehr als Bäume: Sie sind ein historisches, ästhetisches und identitätsstiftendes Kulturgut. Filmemacher Federico Fellini feierte sie in seinem Film „Roma“, der Komponist Ottorino Respighi widmete ihnen die sinfonische Dichtung „Pini di Roma“.

Wie Riesen ragen die Prachtpinien aus Roms Stadtbild heraus.

Wie Riesen ragen die Prachtpinien aus Roms Stadtbild heraus. Foto: Robert Messer/dpa

Rom gehört überhaupt zu den grüneren Städten Europas: In den drei großen öffentlichen Parks - Villa Borghese, Villa Pamphili und Villa Ada - findet man mitten in der hektischen Großstadt Natur pur. Insbesondere während der oft heißen Sommer, wenn sich die Hitze im engen Stadtzentrum staut, verschaffen sich Römer und Touristen gleichermaßen in den Parks Abkühlung. Pinien, Platanen, Eichen und Palmen säumen aber auch viele Straßen in der Stadt.

Lebenserwartung der Bäume bei Weitem überstiegen

Das derzeitige Problem mit den Pinien ist in gewisser Weise hausgemacht. Die Bäume auf der Via dei Fori Imperiali und anderen Gegenden wurden 1931 in der faschistischen Ära gepflanzt. Da sie zum Zeitpunkt der Pflanzung bereits mehr als 20 Jahre alt waren, sind sie heute mindestens 120 Jahre alt. Dieses Alter übersteige ihre Lebenserwartung - die bei etwa einem Jahrhundert liegt - deutlich, sagt Pinien-Experte Flavio Tarquini.

Die Pinie sei in Rom einfach zu vielen Stressfaktoren ausgesetzt: Zahlreiche Menschen passieren die Bäume täglich, Straßenbauarbeiten schädigen ihre Wurzeln und unsachgemäßer Baumschnitt beeinträchtigt ihre Stabilität.

Rom verfügt über eine große botanische Vielfalt.

Rom verfügt über eine große botanische Vielfalt. Foto: Robert Messer/dpa

In den vergangenen Wochen kamen nun noch starke Regenfälle erschwerend hinzu. Experten meinen, der häufige Wechsel zwischen Perioden intensiver Dürre und Starkregen schwäche die Wurzeln der Bäume und damit ihre Stabilität. Starker Wind reiche dann aus, um die Pinien zu entwurzeln. 

Tarquini plädierte in der Zeitung „La Repubblica“ dafür, die Bäume regelmäßig durch neue Exemplare zu ersetzen, ohne aber den gesamten Bestand zu entfernen. Denn die Pinien sind für Rom sehr wichtig: Ihr typisches Blätterdach fängt den Smog in der Stadt - Roms Luft gilt als schlecht - am besten auf. Schätzungen zufolge gibt es in Rom rund 51.000 Pinien. Für viele Römer ist der Gedanke an Fällungen, wenn auch nur zum Austausch, schmerzhaft.

Erste Risiko-Pinie bereits gefällt

Um so viele Pinien wie möglich zu retten, arbeitet die Taskforce von Alfonsi seit Tagen auf Hochtouren. Doch trotz aller Bemühungen scheinen „selektive Fällungen“, wie die Stadt sie nennt, unvermeidlich. Denn die ersten Ergebnisse der Untersuchungen verheißen nichts Gutes: „Aus den ersten erhobenen Daten ergibt sich die Möglichkeit, einen Teil der Bäume an der Via dei Fori Imperiali zu retten“, teilte die Stadt nach Begehungen der betroffenen Gegend mit. 

Das heißt im Umkehrschluss: Der Rest der Pinien muss wohl gefällt werden. Bei den Bäumen, die noch zu retten sind, sollen sowohl die Wurzeln als auch der sie umgebende Boden stabilisiert werden. Außerdem wird schon über die Pflanzung neuer Pinien in dem betroffenen Abschnitt nachgedacht.

Die Nachbarpinie des zuletzt umgestürzten Baumes wurde inzwischen schon gefällt. Bald sollen weitere Pinien folgen. Wie viele genau ist noch unklar. Mittelfristig müssen jedoch mehrere Bäume wegen ihres Alters gefällt und ersetzt werden. Den 16. Februar hat sich die Stadt als Tag für die Wiedereröffnung des betroffenen Straßenabschnitts gesetzt. Bis dahin muss es sicher sein. Die Zeichen für die Pinien in der Gegend stehen nicht gut.

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