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Vor Dänemark

Toter Wal vor Anholt: Ist es der vermisste Ostsee-Buckelwal?

Der vor Deutschland gestrandete Wal wurde in einem gefluteten Lastschiff transportiert. (Archivbild)

Der vor Deutschland gestrandete Wal wurde in einem gefluteten Lastschiff transportiert. (Archivbild) Foto: Philip Dulian/dpa

Vor der Küste der dänischen Insel Anholt treibt ein toter Wal im Meer. Es steht die entscheidende Frage im Raum: Ist es das zuvor in der Ostsee gestrandete Tier?

Von Miriam Arndts und Marek Majewsky, dpa Freitag, 15.05.2026, 06:55 Uhr

Anholt. Hat der vor der deutschen Ostseeküste gestrandete Buckelwal noch eine Lebenschance oder wurde sein Kadaver nun gefunden? Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden, bei dem nicht ausgeschlossen wird, dass es sich um den oft „Timmy“ oder „Hope“ genannten Buckelwal handelt. Der Meeressäuger liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf die Umweltbehörde Miljøstyrelsen. 

Eine Bestätigung, dass es sich um den Wal handelt, der Ende März vor Timmendorfer Strand gestrandet war und später in den Skagerrak (Nordsee) transportiert wurde, gab es zunächst nicht. 

Nach Experten-Einschätzung handelt es sich vermutlich um einen Buckelwal ähnlicher Größe. Morten Abildstrøm von der dänischen Behörde Naturstyrelsen sagte im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur, dass ein Stück aus der Schwanzflosse abgetrennt worden sei, das nach Deutschland gebracht werden solle. Abildstrøm hatte den gestrandeten Wal aus direkter Nähe inspiziert, als dem toten Tier die Gewebeprobe entnommen wurde. 

Der Buckelwal wurde Anfang Mai in der Nordsee freigesetzt.

Der Buckelwal wurde Anfang Mai in der Nordsee freigesetzt. Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa

Fluke und Haut des Buckelwals können Hinweise zur Identität geben

Sollte es sich bei dem vor der dänischen Insel Anholt gestrandeten toten Wal tatsächlich um den Wismarer Buckelwal handeln, hoffen Experten des Deutschen Meeresmuseum auf eine Untersuchung des Tieres. „Es geht darum, Erkenntnisse für künftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen“, sagte eine Sprecherin des Museums am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. 

Erste Aufschlüsse über die Identität könnte bereits die Haut des vor der dänischen Insel entdeckten toten Tieres geben. Es gebe ja verschiedene Strukturen der Haut, die bereits aufgefallen seien. Auch habe das Tier eine erkennbare Schramme beziehungsweise Beschädigung der Hautoberfläche gehabt, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein könne. 

Fotos können helfen

Um festzustellen, ob es sich bei dem in Dänemark gefundenen Kadaver um den zuvor in Deutschland gestrandeten Wal handelt, könnten Fotos helfen. Nach Angaben der privaten Rettungsinitiative, die den Wal in einem Lastschiff Richtung Nordsee gebracht hatte, wurde ein Foto von der Fluke - der großen Schwanzflosse des Tieres - gemacht, das als Foto-ID in entsprechende Datenbanken einfließen solle. 

Für diese Information gab es allerdings keine Bestätigung durch unabhängige Quellen. Das Meeresmuseum konnte in den vergangenen Wochen keine eigenen Fotos von der Fluke machen. 

Neben einem Foto von der Fluken-Unterseite können der Tierschutzorganisation WDC zufolge auch auffällige Merkmale wie ein Narbenmuster auf der Haut zur Wiedererkennung eines Wals dienen.

Landesumweltminister warnt vor Spekulationen 

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) rechnet zunächst nicht mit schnellen Befunden zur Identität des toten Wals. Er betonte, das Ministerium stehe seit der Nacht in engem Kontakt mit dem Bundesumweltministerium und mit der dänischen Umweltbehörde. Ziel sei, zu erfahren, ob es sich bei dem toten Wal um das Tier handle, das zuvor mehrfach in der Wismarbucht gestrandet sei. 

Umweltminister Backhaus (SPD) rät davon ab, „nun wieder in den sogenannten sozialen Medien Verschwörungstheorien verbreiten oder solchen aufsitzen“.

Umweltminister Backhaus (SPD) rät davon ab, „nun wieder in den sogenannten sozialen Medien Verschwörungstheorien verbreiten oder solchen aufsitzen“. Foto: Jens Büttner/dpa

Solange keine gesicherten Informationen vorliegen, beteilige er sich nicht an Spekulationen. Davon rate er auch allen ab, die „nun wieder in den sogenannten sozialen Medien Verschwörungstheorien verbreiten oder solchen aufsitzen“, sagte der Minister weiter. 

Drama um Walrettung

Der vor der deutschen Küste gestrandete Wal hatte wochenlang Schlagzeilen gemacht. Das bislang letzte Kapitel der Saga war ein tagelanger Transport der privaten Rettungsinitiative in die Nordsee. Wie dieser genau endete, war aber bis zuletzt unklar. Fotos oder Videos vom Freisetzen existieren nach Aussage der Initiative nicht. Unklar blieb auch, in welchem Zustand das geschwächte und vom Hin und Her im Kahn verletzte Tier zu diesem Zeitpunkt war.

Es gibt bislang keine belastbaren Daten dazu, wo das Tier ist. Ein GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei Signale zur Ortung, hieß es jüngst von der Privatinitiative. Es gebe überhaupt keine Daten mehr. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der Initiative ein GPS-Sender an der Rückenfinne angebracht worden sein, der stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsächlich erfolgte, ließ sich nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Nach dänischen Angaben wurde bei dem vor Anholt entdeckten Kadaver kein Sender gefunden. 

Der vor Deutschland gestrandete Bulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Mit einem Lastkahn wurde er von der Insel Poel aus in die Nordsee gebracht.

Eine private Rettungsinitiative hatte den Buckelwal in einer Barge in Richtung Nordsee gebracht. (Archiv)

Eine private Rettungsinitiative hatte den Buckelwal in einer Barge in Richtung Nordsee gebracht. (Archiv) Foto: Christoph Reichwein/dpa

Mehrfach gestrandet

Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden zunächst im Hafen von Wismar aufgetaucht. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. 

Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar. Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte Mitte April entschieden, eine private Rettungsinitiative zu dulden. Sie wurde von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert.

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