Verdi ruft zu neuem Ausstand im Hamburger ÖPNV auf
Am Donnerstag fuhren wegen eines Warnstreiks keine U-Bahnen, Für Samstag hat die Gewerkschaft Verdi zum nächsten Warnstreik aufgerufen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Noch während eines laufenden Warnstreiks ruft Verdi erneut zum Ausstand im Hamburger Nahverkehr auf. Was das für Fahrgäste und die festgefahrenen Tarifverhandlungen bedeutet.
Hamburg. Die Gewerkschaft Verdi hat während eines laufenden Warnstreiks im Hamburger Nahverkehr gleich zu einem nächsten Ausstand aufgerufen. Sowohl Beschäftigte der Hochbahn als auch der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) sollen demnach am Samstag die Arbeit niederlegen. Der Warnstreik beginne um 3.00 Uhr nachts und dauere 24 Stunden, teilte Verdi mit. Bereits am Donnerstag fuhren keine U-Bahnen und kaum Hochbahn-Busse.
Tarifverhandlungen festgefahren
„Die Tarifverhandlungen im ÖPNV sind festgefahren wie nie“, begründete Verdi-Vertreterin Irene Hatzidimou den Aufruf. Das liege auch am Sparkurs des rot-grünen Senats. Sowohl die Hochbahn als auch die VHH befänden sich mehrheitlich oder vollständig im Besitz der Stadt. Deshalb müsse sie jetzt von der Bremse gehen und den Weg für eine Einigung freimachen. „Ansonsten ist es völlig sinnlos, sich weiter an Verhandlungstischen zu verausgaben.“
Die Hochbahn-Personalchefin Saskia Heidenberger kritisierte die Warnstreikankündigung als absolut unnötig und destruktiv. „Lösungen werden nur am Verhandlungstisch erzielt und nicht auf der Straße.“ Die Gewerkschaft trage die Verantwortung dafür, „dass Hamburg mittlerweile zum achten Mal nahezu still steht.“ Nach ihren Angaben hat Verdi im Februar sechsmal und im März jetzt zum zweiten Mal zu einem Warnstreik aufgerufen.
Kritik von der CDU-Bürgerschaftsfraktion
Kritik kam auch von der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Wer mitten in laufenden Verhandlungen und während eines aktuellen Streiks bereits die nächsten Arbeitsniederlegungen ankündigt, überschreitet eine Grenze und handelt verantwortungslos“, sagte Fraktionschef Dennis Thering. Das habe mit Verhältnismäßigkeit nichts mehr zu tun, sondern nehme Hunderttausende Pendler in Geiselhaft, die jeden Tag auf einen funktionierenden Nahverkehr angewiesen seien. „Tarifautonomie ist ein hohes Gut, aber sie darf kein Freifahrtschein für permanente Eskalation sein.“

Die meisten Hochbahn-Busse blieben wegen eines Warnstreiks am Donnerstag in den Depots. Foto: Marcus Brandt/dpa
Am Donnerstag fuhren in Hamburg keine U-Bahnen und kaum Busse. Ein Warnstreik bei der Hochbahn hatte den öffentlichen Nahverkehr weitgehend lahmgelegt - und Zehntausende Pendler und Jugendliche gezwungen, sich Alternativen für ihren Weg zur Arbeit oder zur Schule zu suchen. Der Ausstand sollte am Freitagmorgen um 3.00 Uhr enden, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Auch Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bayern waren von Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr betroffen.
Hochbahn: „Ein Betrieb der U-Bahn ist leider nicht möglich“
„Ein Betrieb der U-Bahn ist leider nicht möglich“, teilte ein Hochbahnsprecher mit. Lediglich die hvv-Servicestelle am Jungfernstieg habe geöffnet. Beim Busverkehr gab es den Angaben zufolge bei einigen wenigen Linien einen Notbetrieb. So fuhren etwa die hochfrequentierten Linien 4 und 5 im 30- beziehungsweise 15-Minuten-Takt. Auch der Shuttledienst von der S-Bahn zu den Arenen, wo am Abend ein Konzert von Clueso geplant war, sei gesichert.
Vom Warnstreik nicht betroffen waren am Donnerstag die S-Bahnen, die Hafenfähren und die VHH-Busse, die vor allem im Westen der Stadt und im Umland verkehren. Bei den VHH stand ein Warnstreik zunächst ebenfalls zur Debatte. Bei den am Mittwoch erneut ohne Ergebnis vertagten Verhandlungen zum Manteltarifvertrag sei jedoch verabredet worden, am Donnerstag auf Arbeitsniederlegungen zu verzichten, teilten die VHH mit.

Und auch die U-Bahnen blieben wegen des Warnstreiks am Donnerstag auf den Abstellgleisen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Ende Februar waren Hochbahn und VHH bereits für 48 Stunden bestreikt worden. Die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und der Hochbahn waren zuletzt erneut ohne Einigung geblieben. Die Gespräche sollen am kommenden Montag und Dienstag fortgesetzt werden.
Hochbahn und Verdi haben Forderungen schon modifiziert
Die Hochbahn hatte zuletzt nach eigenen Angaben ein verbessertes Angebot vorgelegt, das bis zu 8,1 Prozent mehr Entgelt im Monat in mehreren Schritten vorsah - bei einer Laufzeit von 30 Monaten. Verdi wiederum hat seine Forderungen reduziert und für die Beschäftigten eine Entgeltsteigerung von 3,4 Prozent - mindestens aber 150 Euro - bei einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangt. Trotzdem kam es zu keiner Einigung.