Frau attackiert Ex-Mann mit Messer - Haftbefehl wegen Mordversuch
Thuner Straße, Freitagabend 22.22 Uhr: Blutüberströmt liegt ein Mann auf der Straße, als die Sanitäter eintreffen. Der Verletzte hat eine offene Wunde im Halsbereich. Die Polizei wird alarmiert, die Mitbewohnerin später verhaftet. „Versuchter Mord“ lautet der Vorwurf.
Es ist offenbar ein Beziehungsdrama mit einer tragischen Eskalation. Weil die Tat, so der Sprachgebrauch der Ermittlungsbehörden, nicht im öffentlichen Raum stattgefunden hat, stand darüber kein Wort am Wochenende im Presseportal der Polizei. Die Staatsanwaltschaft Stade bestätigte allerdings am Montagmorgen die ersten Informationen vom TAGEBLATT. Nach den bisherigen Recherchen wurde eine 55-jährige Frau noch in der Nacht in der Tatwohnung festgenommen und ein Haftbefehl beantragt. Der Vorwurf lautet: „Versuchter Mord“. Deshalb sitzt die Staderin jetzt in einem Untersuchungsgefängnis.
Weil beim Mordvorwurf unter anderem die Tatbestände „Vorsatz“ und „Heimtücke“ vorliegen müssen, ist davon auszugehen, dass die Frau die Tat länger geplant hat. Die genauen Tatumstände liegen offenbar noch nicht vor, weil das 64-jährige Opfer die mutmaßliche Täterin bisher nicht belasten will. Die 55-Jährige ist seine Ex-Frau, das ehemalige Ehepaar lebt seit längerer Zeit in Scheidung, allerdings noch in der gemeinsamen Wohnung in der Thuner Straße.
Nachdem die Frau, so die bisherigen Ermittlungen, den Mann mit dem Messer von hinten attackiert hatte, konnte sich der Schwerverletzte noch aus der Wohnung retten. Im Treppenhaus rief er telefonisch den Rettungsdienst an, bevor er sich aus dem Haus schleppte. Da fanden ihn die Retter blutüberströmt auf der Straße. Als die Polizei eintraf, wurde die Frau in der Wohnung festgenommen.
Weil, so Staatsanwalt Kai Thomas Breas, Fluchtgefahr besteht, wurde der Haftbefehl erlassen. Über die Verletzung des Mannes ist nicht viel bekannt, allerdings soll er trotz einer heftigen Verletzung im Halsbereich nicht in Lebensgefahr geschwebt haben. Auch das Motiv der Frau ist bisher nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft vermutet einen längeren Beziehungsstreit. Das deutsche Paar hat keine Kinder.
Vor acht Jahren machte ein Beziehungsdrama in Stade Schlagzeilen, als eine 65-jährige Russin nach jahrelangen Streitereien und Schlägen ihren Mann Vadim (71) nach mehr als 30 Jahren Ehe mit einer Axt erschlug und die Leiche zerstückelte – am 8. März, dem Internationalen Frauentag. Wenig später erhängte sich die Frau in ihrer Gefängniszelle.
15 Prozent aller Tötungsdelikte in Deutschland werden von Frauen begangen. Ihre Opfer sind in den meisten Fällen Familienangehörige. „Nicht wenige Frauen verüben einen Mord gleichsam als Befreiungsschlag“, sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Frauen töten, so der Experte, um sich aus Beziehungen zu befreien. „Frauen töten meistens aus einer Situation der Schwäche heraus, um sich oder ihre Familie in einer als unerträglich empfundenen Situation zu schützen“, sagt auch Dr. Birgitta Sticher. Die Psychologin unterrichtet an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.