24-Stunden-Reportage: Barbecue für das Brautpaar und 70 Gäste
Carmen Zerwas und ihr Chef Carl-Michael Hofmann haben trotz des Zeitdrucks immer noch Zeit für einen kleinen Spaß . Fotos Felsch
Altes Land: Carl-Michael Hofmann drängt zur Eile. Die Uhr zeigt kurz vor 19 Uhr. Hofmann und seine Mitarbeiterin Carmen Zerwas machen sich auf den Weg zu einer Hochzeit im Alten Land. Das Brautpaar hat ein Barbecue bestellt und dafür den Partyservice aus Daensen engagiert.
Seit Tagen geht es in den Endspurt, einkaufen, zubereiten und so verpacken, dass alles heil bei der Hochzeitsgesellschaft ankommt. Kurz bevor der kleine Lieferwagen auf den Obsthof einbiegt, fragt Küchenchef Hofmann mit Schweißperlen auf der Stirn: „Carmen, haben die uns die Schweinefilets eingepackt? Ich bin mir nicht sicher.“ Eine Schrecksekunde Schweigen, dann nickt seine Beifahrerin: „Doch ja, keine Panik.“
Am Zielort sprinten beide zeitgleich aus dem Auto und öffnen die Heckklappe. Glück gehabt. Alles drin. Nichts fehlt. „Wenn ich meine Mitarbeiterin nicht hätte, wäre ich aufgeschmissen, Carmen ist der ruhende Pol, behält immer den Überblick“, gibt Hofmann zu, jetzt merklich ruhiger. Natürlich sei so was schon mal vorgekommen, wenn auch selten, dass sie in der Hektik ein Teil vergessen hatten. „Es passiert eher, dass wir während der Veranstaltung merken, das Essen reicht nicht, dann rufen wir an, und einer der Kollegen bringt Nachschub.“
Je nachdem wo sie sind, kann das dauern. Aber von Daensen nach Jork sind es nur wenige Kilometer, und es müssen auch keine langen Fußwege vom Parkplatz bis zum Festort zurückgelegt werden. „Bei einem Reihenhaus mit einer zweistelligen Nummer plus Buchstaben aus der Mitte des Alphabets sieht das anders aus. Aber mit einer richtigen Planung geht auch das“, versichert Hofmann.
Heute scheint alles perfekt. Was natürlich mit an der durchdachten Organisation liegt. Je größer die Gästezahl, um so wichtiger. Aber Carl-Michael Hofmann ist durch und durch Profi. Der ehemalige Chef der „Seeburg“ ist mit Leib und Seele Koch und verwöhnt, wenn er nicht gerade am Herd seiner Kochschule an der B 73 in Neukloster steht, seine Gäste im Golfclub in Daensen. In der dort neu renovierten Küche, die nach dem Umbau sehr viel mehr Platz bietet als noch zu Zeiten des alten Pächters, zaubert Hofmann mit seinem Team die kulinarischen Highlights, die der Partyservice dann ausliefert.
Ob 50, 100 oder 1000 Gäste zu bewirten sind, ist kein Problem. Manchmal scheitere es an ganz banalen Kleinigkeiten, wie sich der 57-Jährige erinnert, der bereits für Helmut Kohl und in einem Wintersportort gekocht hat. „Wegen plötzlichen Schnee-Einbruchs kamen wir und unsere Pött un Pann nur noch mit einem Schlitten wieder runter ins Tal.“
Das ist heute eher unwahrscheinlich. Ein paar Wolken am Himmel, die stören nicht. Dazu ein kühler Wind, der die Alufolie davonfliegen lässt und die Grillschwaden schön verteilt. Läuft.
Die mitgebrachten Koffergrills werden neben dem bereits vorhandenen Standgrill – Marke Weber, auf gute Qualität schwört der Chef – aufgebaut. Brennpaste und die Elektrik sorgen für schnelles Erhitzen. In wenigen Minuten sind die Salatschüsseln, Kannen mit Soßen und die Körbe mit den Partybrötchen aufgebaut. In einer Schmorpfanne brutzeln die kleinen Pellkartoffeln vor sich hin, daneben das mediterrane Gemüse.
Während Hofmann das Hähnchenfilet und die Schinkenwürstchen auf den Rost legt, schaltet Carmen Zerwas die Rotlichtlampen ein und baut neun Rechauds auf, damit alles schön warm bleibt. „Vergiss nicht umzurühren, brennt sonst an“, ruft Hofmann halb scherzhaft, halb ernst, während er an allen drei Grills gleichzeitig arbeitet und aufpassen muss, dass nichts verkohlt. Aber die 54-Jährige hat schon längst selbst Hand angelegt und schwingt den Kochlöffel. Zu guter Letzt werden die Schilder mit den Bezeichnungen der einzelnen Gerichte mit je einer Wäscheklammer an einer Leine über dem Büfett aufgehängt. Gegrillter Schafskäse mit Peperoni und Zwiebeln, Lachs-Medaillons in Chili-Honig und Hähnchensteaks in frischen Kräutern – allein beim Lesen läuft einem das Wasser im Munde zusammen.
Die ersten der 70 Gäste, angelockt vom Bratenduft, werfen einen Blick in den Unterstand, aber trauen sich noch nicht rein.
„Deshalb müssen wir mehr als pünktlich sein und wählen immer den Hintereingang, sonst werden wir belagert, und das hindert an der Arbeit“, erklärt Hofmann, während er weiter seine Bratenstücke wendet. Aber für ein paar lockere Sprüche bleibt immer noch Zeit. Seit sieben Jahren arbeiten die beiden schon zusammen. Ein eingespieltes Team, das so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann.
An diesem Sonnabend ist alles entspannt. Der Bräutigam stattet kurz einen Besuch ab, um sich zu vergewissern, ob das Altländer Grill-Büfett fertig ist. „Ihr könnt pünktlich anfangen, wenn ihr wollt“, sagt Hofmann. „Wir wären dann soweit.“ Noch ein letzter prüfender Blick, aber dank Carmen sei das nicht nötig, meint der Küchenchef und macht sich eine Cola auf. Der Schweiß läuft, die Hitze vom Grill fordert ihren Tribut.
Carmen inspiziert ein letztes Mal die Tische und versichert sich, dass alle Warmhalteplatten und Rotlichter funktionieren. „Perfekt“, sagt sie mehr zu sich selbst, bevor sie sich auch ein Getränk nimmt. „Das meiste ist wirklich die Vorarbeit, wenn die nicht stimmt, kann man den Rest vergessen“, erklären beide. Deshalb seien die Stunden davor stressiger als das eigentliche Abliefern beim Kunden.
Kurz vor 20 Uhr geht es dann los. Eine lange Schlange hungriger Gäste wartet vor dem Eingang, schnappt sich einen Teller und lässt sich von Carmen Zerwas und Carl-Michael Hofmann bedienen.
Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:
- Teil 01: In der Verpackungsindustrie
- Teil 02: Im Altenheim
- Teil 03: Im Musikladen Heinbockel
- Teil 04: Im Elbe Klinikum
- Teil 05: Mit dem Bevern-Bus on Tour
- Teil 06: Auf dem Wochenmarkt
- Teil 07: Im Tower bei Airbus
- Teil 08: Der Hausmeister
- Teil 09: Die Wasserschutzpolizei
- Teil 10: Bei Stackmann
- Teil 11: Auf der Baustelle
- Teil 12: Der Parkplatzwächter
- Teil 13: Am Bratwurststand
- Teil 14: Der Tierpfleger
- Teil 15: In der Demenz-WG
- Teil 16: Am Strand
- Teil 17: Bei der Orgelführung
- Teil 18: Der Herr der Staus
- Teil 19: Mit 360 PS auf dem Rapsfeld unterwegs
- Teil 20: Beim Party-Service
- Teil 21: Im Freibad
- Teil 22: Beim Kampfsport
- Teil 23: Im Einzelhandel
- Teil 24: In der Kneipe