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Fußball-Weltmeisterschaft

Brasilien-Star Vinícius Júnior: Ein bisschen Drama ist immer

Brasiliens polarisierender Offensivstar: Vinícius Júnior (l.). (Archivbild)

Brasiliens polarisierender Offensivstar: Vinícius Júnior (l.). (Archivbild) Foto: Bruna Prado/AP/dpa

Nicht mehr Neymar, sondern Vinícius Júnior ist das prägende Gesicht der Seleção. Der Offensiv-Star polarisiert allerdings nicht weniger. Bringt ihn sein langjähriger Trainer bei der WM auf Titel-Kurs?

Von Christoph Lother, dpa Freitag, 12.06.2026, 09:35 Uhr

East Rutherford. Sportmarken, Hotelketten, Getränkehersteller: Es gibt gefühlt nichts, für das Vinícius Júnior in den sozialen Medien nicht wirbt. Rund 60 Millionen Follower versorgt der Superstar der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft bei Instagram regelmäßig mit frischen Beiträgen. Doch nährt er auch die Hoffnungen der rund 200 Millionen Landsleute in der Heimat?

Der 25-Jährige elektrisiert die Massen. Mitunter, so wirkt es, bereitet ihm das aber mehr Last als Lust. Auch bei dieser WM wird der Druck auf Vinícius Júnior enorm sein.

Letzter WM-Titel vor 24 Jahren

Er wisse, dass er in der Seleção inzwischen „an vorderster Front“ stehe, sagte der Offensivmann von Real Madrid kürzlich. Das sei eine „riesige Verantwortung“. Aber er schätze sie. Auf Vinícius dürfte viel ankommen, wenn die Brasilianer am Sonntag (0.00 Uhr/MESZ) in New Jersey gegen Marokko die Jagd auf ihren sechsten WM-Titel eröffnen. Und auf seinen langjährigen Trainer.

Er sei der beste Coach, den er je hatte, sagte Vinícius Júnior über Carlo Ancelotti. „Er ist einer der Größten im Fußball, wenn nicht sogar der Größte.“ Vier Jahre lang arbeitete das Duo in Madrid zusammen, gewann unter anderem zweimal gemeinsam die Champions League. Seit vergangenem Sommer trainiert Ancelotti seinen einstigen Schützling nun in der Nationalmannschaft.

Der erfahrene Italiener, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2030, soll die langen Leiden der Brasilianer beenden und sie zum ersten WM-Triumph seit 24 Jahren führen. Nach einer äußerst holprigen Qualifikation. Und vielen Diskussionen. Um den einst omnipräsenten Neymar. Und um Vinícius Júnior.

Brasiliens polarisierender Altstar: Neymar. (Archivbild)

Brasiliens polarisierender Altstar: Neymar. (Archivbild) Foto: Silvia Izquierdo/AP/dpa

Im Nationalteam nicht so stark wie bei Real

Dass Altstar Neymar überhaupt noch mal ins WM-Aufgebot berufen wurde, sorgte weit über Brasilien hinaus für Aufsehen. Der 34 Jahre alte Rekordtorschütze der Südamerikaner, der seit Oktober 2023 kein Länderspiel bestritten hat und nach einer Muskelverletzung um sein Comeback kämpft, polarisiert wie eh und je. Was das betrifft, steht ihm der neun Jahre jüngere Vinícius Júnior in nichts nach. Sportlich muss der Real-Star im Nationalteam aber noch zulegen, um den Status des potenziellen Heilsbringers zu erlangen.

Neun Tore in 49 Länderspielen hat Vinícius Júnior bislang erzielt. An seine Leistungen in Madrid kam der Tempodribbler in der Seleção selten heran. Inzwischen habe der Spieler die Reife erlangt, auch das Nationalteam anzuführen, ist Ancelotti dennoch überzeugt. Andere sind es weniger.

„Er macht zu viel Theater, sorgt außerhalb des Platzes für zu viele Schlagzeilen. Er sollte sich mehr auf den Fußball fokussieren“, kritisierte Giovane Elber, einst Stürmer beim VfB Stuttgart und beim FC Bayern München, in der „Sport Bild“.

Brasiliens Trainer bei der Titeljagd: Carlo Ancelotti. (Archivbild)

Brasiliens Trainer bei der Titeljagd: Carlo Ancelotti. (Archivbild) Foto: Silvia Izquierdo/AP/dpa

Immer wieder Provokationen und Diskussionen

Tatsächlich ist die Liste dieser Schlagzeilen lang. Als nicht er, sondern der Spanier Rodri von Manchester City 2024 den begehrten Ballon d’Or für den besten Fußballer der Welt bekam, boykottierte die Real-Delegation um Vinícius Júnior die Gala. Der Club habe ihn darum gebeten, erklärte der Angreifer später. Da war die Debatte um mangelnden Respekt aber schon in vollem Gange.

Auch als seine früheren Teamkollegen Dani Carvajal und David Alaba bei Real diesen Sommer verabschiedet wurden, fehlte Vinícius Júnior - und löste damit neue Diskussionen aus. Auch auf dem Rasen sorgt er für viel Gesprächsstoff: Provokationen gehören genauso zu seinem Spiel wie technische Raffinesse.

Einst der kleine Junge aus São Gonçalo, jetzt der große Hoffnungsträger der Nation: Wird Vinícius Júnior dem gerecht? Die absolute Weltklasse verkörpern in Brasiliens Kader neben ihm derzeit nur wenige - Offensivmann Raphinha vom FC Barcelona oder Abwehrchef Marquinhos von Paris Saint-Germain etwa. Zu den Topfavoriten gehört die Seleção nicht. Polarisieren wird sie trotzdem.

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