Zwangsversteigerung: Renaissanceschloss auf Rügen wird verkauft
Nach der Wende wurde aus dem Schloss ein Hotel - mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Foto: Stefan Sauer/dpa
Ein Schloss mit bewegter Geschichte, auf einer Insel, umgeben von Natur erwartet neue Besitzer. Neben dem Kaufpreis dürfte auch die Bewirtschaftung eine Herausforderung sein.
Glowe. Mehr als 1.700 Quadratmeter Nutzfläche, vor Jahrhunderten gebaut, Insellage und ein schwedischer Generalfeldmarschall als Vorbewohner - wer schon immer einmal ein repräsentatives Renaissanceschloss auf einer Ostseeinsel besitzen wollte, kann im Juni zuschlagen.
Dann soll nämlich das Renaissanceschloss Spyker auf der Ostseeinsel Rügen zwangsversteigert werden, erneut. Doch das als Gewerbeobjekt geführte Schloss hält einige Herausforderungen parat.
Millionenpreis
Das wäre zunächst einmal das nötige Kleingeld, das Interessenten haben sollten: Der Verkehrswert wird in den Unterlagen des Amtsgerichts Stralsund mit mehr als 2,8 Millionen Euro beziffert. Im Internet finden sich auch Anzeigen, die das Schloss für einen Kaufpreis von 6,9 Millionen Euro anbieten.
Betreiber des Verfahrens ist laut Gerichtsunterlagen eine Anwaltskanzlei als Gläubigervertreter. Der Eigentümer wird aus Datenschutzgründen im entsprechenden Gutachten nicht genannt.
Das Schloss wurde demnach als Hotel mit 35 Zimmern genutzt, die sich auf mehrere Geschosse verteilen, steht aber seit Ende 2024 leer.
Zehntausende Quadratmeter Außenflächen
Zu dem Anwesen gehören Zehntausende Quadratmeter, die sich auf Wege, Wald, Wasser, Landwirtschaftsflächen oder auch Parkgelände erstrecken. „Der Ort ist umgeben von Natur- und Vogelschutzgebieten, was ihn attraktiv für Ruhe- und Naturfreunde macht“, heißt es im Gutachten zu Spyker.

Markant ist die rote Fassade. Foto: Stefan Sauer/dpa
Das Schloss gilt als ältester Profanbau auf der Insel Rügen. Erstmals erwähnt wurde das Gut Spyker im 14. Jahrhundert. Um 1318 wurde laut Gutachten eine Burg Spyker erwähnt. Demnach überließ die schwedische Königin Christina von Schweden 1649 das Gut ihrem Feldmarschall Carl Gustav Wrangel als Dank für seine Verdienste. Wrangel war im Dreißigjährigen Krieg schwedischer Feldherr. Er ließ die Anlage zum Renaissanceschloss in seiner heutigen Form umbauen.
Nach seinem Tod ging das Schloss zunächst über seine Tochter und deren Familie an andere Grafen und wechselte anschließend mehrfach den Besitzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es enteignet worden und stand zeitweise leer. Seit den 1960er Jahren bis 1989 wurde es als Gewerkschaftserholungsheim genutzt, beziehungsweise ein Kinderheim betrieben.
Fürsten-Nachfahre erhob Anspruch
Nach dem Ende der DDR war das Schloss zeitweise Teil von Rückübertragungsansprüchen, die der Nachfahre von Fürst Malte von Putbus, Franz zu Putbus, stellte. Die Familie von Putbus hatte das Schloss zeitweise inne.
Fürst Malte von Putbus war 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben gekommen. Nach früheren Angaben seines Nachfahren Franz zu Putbus war er seit 1944 in der Widerstandsbewegung gegen das Hitler-Regime aktiv. Die Ländereien, Schlösser und Landwirtschaften auf Rügen seien bereits vor Ende des Krieges von den Nationalsozialisten zwangsenteignet oder unter Druck vom Fürsten verkauft worden, lautete die Begründung des Erben.
Schließlich kaufte in den 1990er Jahren aber ein Hotelier das Schloss von der Treuhand, renovierte es und eröffnete es als Hotel. Laut Gutachten wurde für eine Verbesserung des Ertrags zeitweise der Bau eines zusätzlichen Zimmertraktes erwogen. Die Investition sei jedoch ausgeblieben. 2004 folgte die Zwangsverwaltung und 2006 schließlich die Zwangsversteigerung. Anschließend habe der neue Besitzer den Hotelbetrieb fortgesetzt bis etwa 2024. Seit Ende 2024 stehe das Hotel leer.
Zu wenige Zimmer für auskömmlichen Betrieb
Den Unterlagen zufolge biete die Zimmerzahl keine ausreichende wirtschaftliche Basis für einen gehobenen Hotelbetrieb. „Ein wirtschaftlicher nachhaltiger Hotelbetrieb lässt sich aus Gutachtersicht nur gewährleisten, wenn die Zimmerzahl [...] erhöht wird.“ Unabhängig davon hat erst Anfang Mai ein Schlosscafé neu eröffnet.

Ein schwedischer Feldherr erhielt Spyker einst für seine Dienste im Dreißigjährigen Krieg und schuf das heutige Renaissanceschloss. Foto: Stefan Sauer/dpa
Neben dem Schlosshotel samt Küchenanbau gibt es ein Wirtschaftsgebäude mit zusätzlich mehr als 100 Quadratmetern Nutzfläche. Markant ist die rote Putzfassade des Schlosses.
Das Objekt wurde laut Gutachten regelmäßig instand gehalten. „Vereinzelt Putzschäden am Außenwandputz und den Gesimsen“, heißt es. Ein Energiepass liege nicht vor und sei wegen des Denkmalschutzes auch nicht erforderlich.
Bieter müssen solvent sein
Das Inventar warte mit einer vollständigen Gastroküche auf. Im historischen Gewölbekeller gebe es ein Restaurant mit etwa 70 Plätzen innen und 80 Plätzen auf einer Außenterrasse. Das Inventar der Hotelzimmer entspreche einem antiken Stil und stamme aus der Zeit der Modernisierung Mitte der 1990er Jahre.
Die Versteigerung ist für den 18. Juni in Stralsund geplant. Das Amtsgericht weist darauf hin, dass auf Verlangen beim Termin eine Sicherheit in Höhe von zehn Prozent des Verkehrswertes zu leisten ist. Diese muss vorab überwiesen werden. „Barzahlung der Bietsicherheit ist ausgeschlossen.“
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