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Iran-Krieg

Kermani warnt vor neuer Gewaltwelle gegen Opposition im Iran

Der deutsch-iranische Autor Navid Kermani sorgt sich sehr um die Zukunft des Iran nach dem Ende der US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe.

Der deutsch-iranische Autor Navid Kermani sorgt sich sehr um die Zukunft des Iran nach dem Ende der US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe. Foto: Marcus Brandt/dpa

Navid Kermani erwartet nach dem Ende der Luftangriffe eine neue Welle der Gewalt gegen Oppositionelle im Iran. Welche Szenarien der Autor für möglich hält und warum auch Ex-Kanzler Scholz besorgt ist.

Von dpa Mittwoch, 04.03.2026, 00:15 Uhr

Hamburg. Der deutsch-iranische Schriftsteller und Publizist Navid Kermani hat ein düsteres Szenario von der Zukunft des Iran nach Ende der US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe gezeichnet. „Der Krieg wird beendet, alle Parteien erklären sich zum Sieger und am Tag danach beginnt die Verfolgung der Oppositionellen im Iran“, sagte Kermani bei der Präsentation seines neuen Romans „Sommer 24“, über das er im Hamburger Schauspielhaus mit dem früheren Bundeskanzler und Hamburgs langjährigem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) diskutierte. Die iranische Regierung werde dann umso härter gegen die eigene Bevölkerung vorgehen und sich noch feindlicher in der ganzen Region verhalten, erwartet der Autor.

Kermani: USA und Israel haben nicht das Ziel eines Putschs im Iran

„Das ist ein mögliches Szenario, vor dem ich natürlich große Angst habe“, sagte Kermani. Es gebe auch einige positivere Szenarien, etwa einen Putsch. „Aber so richtig vermag ich einfach nicht daran zu glauben.“ Er sehe auch nicht, dass die Akteure in Amerika oder auch in Israel das Ziel hätten, ein solches Szenario herbeizuführen. Und wenn der amerikanische Präsident Donald Trump jetzt schon sage, er habe schon mögliche künftige Führer im Iran im Blick, dann meine er sicherlich nicht jemanden aus der Opposition. „Er meint ganz sicher Politiker aus dem Regime selbst“, sagte der Friedenspreisträger Kermani. 

Auch Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) kann bislang nicht erkennen, dass die USA und Israel tatsächlich eine Veränderung der Verhältnisse im Iran erreichen wollen.

Auch Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) kann bislang nicht erkennen, dass die USA und Israel tatsächlich eine Veränderung der Verhältnisse im Iran erreichen wollen. Foto: Marcus Brandt/dpa

Auch Scholz zeigte sich besorgt. „Zunächst mal sind die Militärschläge ja auf die Zerstörung der militärischen Strukturen des Iran gerichtet, auf die politischen Machtstrukturen und nach allen Worten, die wir aus Israel und aus den USA hören, keineswegs darauf gerichtet, dass man sicher eine Veränderung der Verhältnisse im Iran erreichen will.“ Von daher lasse sich nicht vorhersagen, wie es im Iran weitergehen werde und ob es gelinge, wieder demokratische Strukturen zu schaffen. „Aber natürlich ist es so, dass man sich nichts mehr wünschen sollte als genau das.“

Es gibt nach wie vor extrem gewaltbereite Anhänger der Regierung

Es gebe immer noch Anhänger der Regierung, Opportunisten und wirklich überzeugte fanatische Menschen im Iran, sagte Kermani. Ihm zufolge dürften das 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen. „Aber das Schlimme ist, dass ein großer Teil dieser Anhänger einfach absolut gewaltbereit ist.“ Sie hätten nicht nur Waffen, sondern auch schon bewiesen, dass sie diese gegen das eigene Volk einsetzten - „und zwar in unfassbarem Ausmaß“, sagte Kermani mit Blick auf das tausendfache Töten bei den Protesten am 8. und 9. Januar im Iran.

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