UPDATE
16.10.2020, 08:23
Vollsperrung der A1 wegen unangemeldeter Demo für Armenien

HAMBURG. Um auf den Konflikt in der Region Berg-Karabach im Südkaukasus aufmerksam zu machen, haben Menschen stundenlang eine der wichtigsten Autobahnen nach Hamburg blockiert. Pendler standen lange im Stau. Auch auf den Stadtstraßen war Geduld angesagt.

(Letztes Update am 16. Oktober um 10.06 Uhr: Hintergründe zur Demo hinzugefügt.)

Verkehrschaos für eine politische Botschaft: Um auf den Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien aufmerksam zu machen, haben der Polizei zufolge am Freitagmorgen rund 250 Menschen die Autobahn 1 blockiert. Mit der unangemeldeten Demonstration lösten sie eine mehrstündige Vollsperrung zwischen der Anschlussstelle Moorfleet und dem Autobahndreieck Norderelbe und einen großen Polizeieinsatz aus. Die A1 ist eine der wichtigsten Autobahnen der Hansestadt. Autofahrer mussten sich mitten im morgendlichen Berufsverkehr in beiden Richtungen auf bis zu zwölf Kilometer lange Staus einstellen. Auch die Umgehungsstraßen waren der Verkehrsleitstelle zufolge stark ausgelastet.

Die unangemeldete und geplante Versammlung war den Angaben der Polizei zufolge gegen 5.30 Uhr gestartet. Die Teilnehmer hatten dafür ihre rund 50 Fahrzeuge auf der Norderelbbrücke abgestellt, sagte eine Polizeisprecherin. Dann hätten sie sich auf der Fahrbahn Richtung Norden versammelt, um gemeinsam zu demonstrieren. "Dort haben sie themenbezogene Transparente gehalten und Fahnen geschwenkt." Ziel der Demonstration sei es gewesen, pressewirksam auf den Konflikt im Südkaukasus hinzuweisen. Sie riefen in Sprechchören "Armenia" und hielten Banner mit der Aufschrift "Wir wollen Frieden".

Versammlung wurde aufgelöst

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145.000 Menschen leben. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Bei den seit Ende September andauernden neuen schweren Gefechten hat Aserbaidschan bereits mehrere Gebiete in Berg-Karabach eingenommen. Die armenische Seite beklagte Hunderte Tote in den eigenen Reihen. Aserbaidschan gab bislang nur die Zahl der getöteten Zivilisten mit 43 an. Zu den Verlusten bei den Streitkräften wurden keine Angaben gemacht.

Unter den Demonstranten waren der Polizei zufolge auch Armenier. Die Polizei habe die Versammlung friedlich auflösen können. Sie war am Morgen eigenen Angaben zufolge rund um die A1 mit mehr als 50 Polizeiautos, Booten und einem Polizeihubschrauber unterwegs.

Etwa dreieinhalb Stunden nach der Blockade konnte die Sperrung der A1 in beide Richtungen wieder aufgehoben werden. Welche Strafen den Teilnehmern nun drohen, war zunächst unklar. Sicher ist aber, dass sie sich verantworten werden müssen: "Das ist eine unangemeldete Versammlung und das ist eine Straftat", sagte eine Sprecherin der Polizei dazu. Ein entsprechendes Strafverfahren sei eingeleitet worden. Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

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