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Hannover Messe

Elektrobranche profitiert von Boom bei Rechenzentren

ZVEI-Präsident Gunther Kegel sieht die am Montag beginnende Hannover Messe als wichtiges Schaufenster für die Elektro- und Digitalindustrie. (Archivbild)

ZVEI-Präsident Gunther Kegel sieht die am Montag beginnende Hannover Messe als wichtiges Schaufenster für die Elektro- und Digitalindustrie. (Archivbild) Foto: Michael Matthey/dpa

Nach drei harten Jahren sieht die Elektroindustrie Licht am Ende des Tunnels. KI und Rechenzentren geben Aufwind. Das will die Branche ab Montag auch auf der Hannover Messe zeigen.

Von dpa Samstag, 18.04.2026, 04:35 Uhr

Hannover. Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie sieht sich nach den Produktionsrückgängen der Vorjahre wieder auf Wachstumskurs. „Die Talsohle ist erreicht, Wachstum stellt sich wieder ein“, sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, im Vorfeld der Hannover Messe, die am Montag beginnt. Die zwei Prozent Zuwachs bei der Produktion, die er im Januar prognostiziert habe, seien nach wie vor zu erreichen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Daran änderten auch die aktuellen Verwerfungen durch den Iran-Konflikt und die explodierenden Ölpreise nichts, so der Verbandschef, der am Sonntag bei der Eröffnungsfeier der Messe sprechen wird. „Wir glauben nach wie vor, dass wir nach drei schwierigen Jahren wieder zulegen können, wenn die Verwerfungen durch den Iran-Krieg und beim Ölpreis schnell überwunden werden können.“

„Politisch pfeift den Unternehmen ein scharfer Gegenwind um die Ohren“, räumte Kegel ein. Bisher drücke das aber in der Elektro- und Digitalindustrie noch nicht auf das Geschäft. „Die Branche zeigt sich einigermaßen immun, weil sie wichtige Megatrends bedient“, so der Verbandschef. „Bis zuletzt waren die Zahlen noch stabil. Unsere Auftragseingänge sind 2025 und auch Anfang 2026 gestiegen und können nun abgearbeitet werden.“

KI lässt Rechenzentren boomen

Denn dank Künstlicher Intelligenz gebe es gerade „einen unglaublichen Boom“ bei Rechenzentren, berichtete der Manager, der selbst Chef des Mannheimer Sensorherstellers Pepperl+Fuchs ist. „Das sind gigantische Investitionen, die zu einem großen Teil der Elektro- und Digitalindustrie zugutekommen.“ Ob Schaltschränke, Kühlung, Leistungselektronik, Sensorik, Verbindungstechnik. „Ohne Produkte deutscher Hersteller ist das nicht zu schaffen.“

Sorgen um einen erneuten Stellenabbau in der Branche macht sich Kegel daher kaum. „Wir erwarten für dieses Jahr zumindest keinen signifikanten Stellenabbau.“ Im vergangenen Jahr war die Zahl der Beschäftigten der Branche noch um 18.000 Stelle auf 872.000 geschrumpft, ein Rückgang um zwei Prozent. „Der Beschäftigungsabbau ist trotz der schwachen Konjunktur nur moderat gewesen“, sagte Kegel. „Die Unternehmen wollen die Belegschaften am Standort halten.“

Einbruch von 2024 noch nicht aufgeholt

Bereits 2025 war es für die Branche am Ende besser gelaufen als gedacht: Zwar schrumpfte die Produktion – aber nur um 0,3 Prozent, berichtete Kegel. Das war deutlich weniger als die zunächst befürchteten zwei Prozent. 2024 war die Branche noch um neun Prozent geschrumpft. Aufgeholt sei das noch lange nicht, gibt Kegel zu bedenken. „Wir haben uns auf einem deutlich niedrigeren Niveau gerade einmal seitwärts bewegt.“

Und auch mit zwei Prozent Wachstum in diesem Jahr lasse sich die Lücke von 2024 noch nicht schließen. „Aber immerhin, mit zwei Prozent Wachstum würden wir zum Aufholprozess ansetzen.“

Geholfen habe der Branche zuletzt vor allem das Europa-Geschäft. „Das lässt sich etwa an den Exporten ablesen, die 2025 wertmäßig so hoch waren wie nie zuvor“, sagte Kegel. „Erfreulich war, dass die Schwäche im Geschäft mit den USA und China durch erhöhte Ausfuhren in den europäischen Binnenmarkt kompensiert werden konnten.“

„Die bestellen, als gäbe es kein morgen“

Im US-Geschäft helfe der Branche auch, dass die dortigen Abnehmer kaum Alternativen hätten. „In vielen Bereichen – etwa der industriellen Sensorik – gibt es keine nennenswerten amerikanischen Hersteller mehr“, berichtete Kegel. „Dadurch haben gerade die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie weiterhin eine starke Marktstellung in den USA.“ Trotz der Zölle, die auf den Preis aufgegangen würden. Hinzu komme der Boom bei US-Rechenzentren. „Dort ist der Bedarf riesig – die bestellen, als gäbe es kein morgen.“

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