Zähl Pixel
Winter in Norddeutschland

Ketten, Kufen, Schlitten - was braucht der Norden jetzt?

Wolken ziehen im Norden auf. Blitzeis droht.

Wolken ziehen im Norden auf. Blitzeis droht. Foto: Gregor Fischer/dpa

Plötzlich ist die Straße spiegelglatt. Was tut man dann am besten? Und reicht die Kälte für Pirouetten auf zugefrorenen Seen im Norden? Oder können wir schon wieder den Schlitten herausholen?

Von Christiane Bosch, dpa Freitag, 23.01.2026, 13:25 Uhr

Hamburg/Hannover/Schwerin/Kiel. Der Winter hat in dieser Saison schon viele Gesichter gezeigt. Schneesturm, zweistellige Minusgrade, eisiges Sonnenwetter. In den kommenden Tagen dürften wieder die Wolken mitspielen. Die bringen Schnee, Regen und Schneegriesel mit, die Temperaturen steigen auf Werte rund um den Gefrierpunkt. Eine gefährliche Kombination. Denn damit droht auf den Straßen und Gehwegen Blitzeis. Antworten auf einige Fragen rund um den Winter im Norden:

Was mache ich, wenn es auf einmal zu Blitzeis kommt und ich gerade im Auto unterwegs bin? 

Der ADAC weiß Rat: „Wenn Sie unterwegs vom Eisregen überrascht werden, sollten Sie lieber eine Pause einlegen und im Zweifel auf den Streudienst warten.“ Im Winter lohnt es sich generell, auf einen eher vollen Tank zu achten sowie warme Decken, Snacks, Wasser und Ladekabel und Akkuladegerät für das Handy im Auto zu haben. Bei kritischer Wetterlage lohnt es sich, vor der Abfahrt auch warme Getränke und eventuell Medikamente, die man regelmäßig einnehmen muss, in das Auto zu packen.

Wer trotz des Wetters unterwegs sein muss, sollte vorausschauend und umsichtig fahren. Die Devise lautet dem ADAC zufolge: größeren Abstand zum Vordermann halten, sanft bremsen und auf keinen Fall hektisch lenken.

Helfen Schneeketten bei Blitzeis oder Eisregen?

Wenn Blitzeis die Straße zu einer Rutschbahn macht, helfen dem ADAC zufolge weder Winterreifen noch Antiblockiersystem (ABS), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) oder Schneeketten. Heißt: „Wird im Radio vor Blitzeis oder Eisregen gewarnt, ist es besser, das Auto stehenzulassen und die Fahrt zu verschieben.“ Gleiches gilt natürlich auch für das Fahrrad.

Und wenn ich zu Fuß unterwegs bin? 

Auch hier gilt: Wer nicht dringend raus muss, sollte einfach daheim bleiben. Ansonsten sollte man am besten zu einem Pinguin werden, wie Kliniken wie das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) immer wieder raten. Das bedeutet, dass die Füße beim Laufen kaum vom Boden gehoben und immer nur wenige Zentimeter nach vorn geschoben werden. Das verleiht Stabilität und man rutscht weniger schnell aus. 

Kann ich auf überfluteten und zugefrorenen Wiesen einfach Schlittschuhlaufen? 

Nein. Grundsätzlich sollte nur auf freigegebenen Flächen gelaufen werden. Das gilt auch bei überfluteten und gefrorenen Wiesen - etwa wenn sie in Naturschutzgebieten liegen. Dort, wo vornehmlich Zugvögel rasten, ist Eislaufen nicht erlaubt. „Gerade bei den aktuell niedrigen Temperaturen bedeutet jedes Fluchtverhalten für die Vögel durch den entstehenden Stress einen unnötig erhöhten Energieverbrauch, der die Tiere extrem belasten und gefährden kann“, schreibt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Wesermarsch auf ihrer Internetseite. 

In Hamburg hat die Umweltbehörde am Freitag erneut weiterhin eindringlich vor dem Betreten von Eisflächen auf Gewässern sowie dem Betreten der Hamburger Binnen- und Außenalster gewarnt.

Gibt es eigentlich eine Faustregel für zugefrorene Seen und Teiche?

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG hat auf ihrer Internetseite ein paar wichtige Regeln und Tipps rund ums Eis. „Erst wenn das Eis in einem See mindestens 15 bis 20 Zentimeter dick gefroren ist, kann man nach Empfehlungen der DLRG riskieren, das Eis zu betreten“, heißt es dort. Dunkle Stellen würden zudem verraten, dass das Eis noch viel zu dünn sei. „Hier droht Gefahr einzubrechen, also: Betreten verboten!“ 

Gilt die Eisregel auch an Gewässern mit Zu- und Abläufen?

Gibt es an dem Gewässer einen Zu- und Ablauf, kann das tückisch sein. „An Ein- oder Ausflüssen kann sich innerhalb weniger Meter die Eisdicke und -qualität plötzlich ändern und eine wesentlich schlechtere Tragfähigkeit haben, als die restliche Eisfläche“, so die DLRG weiter. Im besten Fall sollte man einfach auf die Freigabe durch Ämter/Behörden warten. 

Was tun, wenn es auf dem Eis knistert und knackt? 

Wenn es knistert und knackt, ist das ein Alarmzeichen. Dann sollte man sich am besten flach hinlegen, um das Körpergewicht gleichmäßig auf dem brüchigen Eis zu verteilen und sich in Bauchlage Richtung Ufer bewegen. Und besser immer mindestens zu zweit sein. Dann kann der Begleiter Hilfe rufen. 

Was mache ich, wenn jemand eingebrochen ist?

Sofort den Notruf 112 wählen. Außerdem kann man vom Ufer aus versuchen, dem Eingebrochenen lange Stöcke oder Seile zu reichen, an denen sie sich festhalten und vielleicht sogar herausziehen können. 

Es soll wieder schneien am Wochenende. Reicht es im Norden für den Schlitten? 

Nein, das wird eher nichts. Zwar sind Niederschläge angesagt, die als Regen, Schnee oder Schneegriesel herunter kommen sollen. Aber der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass das eher eine dünne Puderzucker-Schicht als eine dicke Schneedecke wird.

Dürfen Hamburger eigentlich immer noch Tausalz für das Streuen der Gehwege benutzen oder ist das wieder verboten? 

Tatsächlich galt die Ausnahmeerlaubnis nur bis zum 21. Januar. Damit ist das Benutzen von Tausalz für Hamburgerinnen und Hamburger nun wieder verboten. Mit dem Verbot sollen Umwelt und Gewässer geschützt werden. Das lasse sich aber schnell wieder rückgängig machen, falls nötig, sagte ein Sprecher der Verkehrsbehörde in Hamburg.

Wer kann, sollte heute noch die Sonne genießen. Die wird sich in den nächsten Tagen im Norden  nicht mehr blicken lassen.

Wer kann, sollte heute noch die Sonne genießen. Die wird sich in den nächsten Tagen im Norden nicht mehr blicken lassen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Rossmann plant eigene Online-Apotheke

Kaum ist dm mit einem digitalen Arzneiangebot gestartet, folgt der nächste große Player. Was zu Rossmanns Plänen bekannt ist – und warum Medikamente zunehmend online gekauft werden.

Helgoland probte den Blackout

Plötzlich kein Strom, kein Licht – was passiert, wenn auf Helgoland das Seekabel ausfällt? Das wurde auf der Insel umfangreich getestet.

Blackout-Test: So hat Helgoland abgeschnitten

Beim Blackout-Test wurde die gesamte Insel lahmgelegt, Verantwortliche und Einwohner berichten nun von ersten Eindrücken und ziehen eine vorläufige Bilanz der großangelegten Aktion.