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Tiere und Naturschutz

Nutrias in Norddeutschland - Wie gefährlich sind die Nager?

Nutrias werden intensiv bejagt. (Archivbild)

Nutrias werden intensiv bejagt. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Sumpfbiberratte - so werden Nutrias genannt. Die beachtlichen Nagetiere breiten sich in Norddeutschland immer weiter aus. Das hat Folgen.

Von Helen Hoffmann, dpa Mittwoch, 11.02.2026, 09:00 Uhr

Hannover/Hamburg/Kiel. Sie fressen, graben und vermehren sich - damit sorgen Nutrias in Norddeutschland für verschiedene Probleme. Durch Jagd soll die Zahl der Tiere verringert werden. Wissenswertes rund um ein Tier, das auch Biberratte, Sumpfbiber, Sumpfratte oder Sumpfbiberratte genannt wird.

Woher kommen Nutrias?

Die Nagetiere stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden zur Pelzgewinnung nach Europa gebracht. In Deutschland wurden sie ab dem Jahr 1926 in Pelztierfarmen gehalten. Immer wieder entkamen Tiere aus den Farmen oder wurden absichtlich freigelassen. In freier Wildbahn vermehrten sie sich schnell. Sie breiteten sich immer weiter aus - auch in Norddeutschland und sogar in Stadtstaaten wie Hamburg und Bremen.

Warum werden Nutrias gejagt?

Nutrias graben Tunnel in Uferböschungen, Deiche und Gräben, was die Stabilität wasserbaulicher Anlagen gefährden kann. Besonders in Hochwasserlagen besteht damit ein erhebliches Risiko, wie der Sprecher der niedersächsischen Landesjägerschaft schreibt. Die Tiere fressen demnach große Mengen an Röhricht- und Uferpflanzen. Damit verhindern sie die Renaturierung wertvoller Ökosysteme und zerstören Brut- und Rückzugsräume für gefährdete Arten.

Durch ihr Fressverhalten bedrohen sie mitunter den Lebensraum von anderen, teils seltenen Tierarten. An Flussufern nagen und graben Nutrias bei Schilf und Röhricht an den Wurzeln und vernichten so die Pflanzen. Ohne Schilf am Ufer verändert sich die Fließgeschwindigkeit des Gewässers, die Artenvielfalt leidet.

Nutrias sorgen in Norddeutschland für Probleme, der Bestand soll deshalb reduziert werden. (Archivbild)

Nutrias sorgen in Norddeutschland für Probleme, der Bestand soll deshalb reduziert werden. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Auch viele Landwirte sehen Nutrias kritisch, weil diese Gräben nahe von Weideflächen beschädigen. Nach Angaben des Landesbauernverbandes in Niedersachsen können Kühe in Löcher einbrechen, die durch Nutrias verursacht wurden, und sich verletzen. In Städten wie Hamburg richten die Tiere auch Schäden in Parks, Friedhöfen, Regenrückhaltebecken und Uferböschungen an. Die Europäischen Union listet das Tier seit dem Jahr 2016 als invasive gebietsfremde Art.

Wie soll die Zahl der Tiere reduziert werden?

Weil die Nager so viele Schäden anrichten, werden sie intensiv gejagt. Gründe sind der Arten- und Hochwasserschutz und die Vermeidung wirtschaftlicher Verluste. „Nutrias werden sowohl im Rahmen der Fangjagd, also der Jagd mit der Falle, als auch mit der Waffe bejagt“, erklärt der Sprecher der niedersächsischen Landesjägerschaft. Lebendfallen sind in der Regel mit einem Meldesystem versehen, um Leid der Tiere zu verringern. Dort gefangene Nutrias werden getötet.

Wie viele Nutrias leben in Norddeutschland?

Genaue Zahlen dazu gibt es nicht - weder für einzelne Bundesländer noch für ganz Deutschland. Erfasst wird nur die Zahl der erlegten Tiere. Allein im Bundesland Niedersachsen wurden im Jagdjahr 2024/2025 knapp 54.000 Nutrias erlegt - ein Plus von 19,5 Prozent im Vergleich mit dem vorherigen Jagdjahr. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein dürfen Nutrias ganzjährig gejagt werden - ein wesentlicher Grund dafür ist der Küstenschutz und die Deichsicherheit.

Nutrias graben Tunnel in Uferböschungen, Deiche und Gräben - mit negativen Folgen für den Hochwasserschutz. (Archivbild)

Nutrias graben Tunnel in Uferböschungen, Deiche und Gräben - mit negativen Folgen für den Hochwasserschutz. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa

Auch in Städten wie Hamburg und Bremen ist die Zahl der sogenannten Sumpfratten deutlich gestiegen. Die Gründe dafür sind nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes unerlaubtes Füttern, günstige klimatische Bedingungen und jagdliche Einschränkungen. Viele Städte reagieren auf die Entwicklung. So gibt es in Hamburg inzwischen zahlreiche Nutria-Jagdgebiete - etwa in den Bezirken Altona, Eimsbüttel, Hamburg-Nord, Wandsbek, Bergedorf, Mitte und Harburg.

Wo und wie leben die Nagetiere?

Nutrias gibt es in allen Bundesländern, wie die Naturschutzorganisation Nabu schreibt. Sie leben in der Regel an Gewässern - in Schilfnestern oder Höhlen in Uferböschungen. „Nutrias sind tag- und nachtaktiv und leben monogam entweder paarweise oder in Familienverbänden von 12 bis 15 Tieren zusammen“, schreibt der Nabu. Demnach bringt das Weibchen in gegrabenen Erdhöhlen im Uferbereich oder Nestern aus Schilf und Stöcken nach einer Tragzeit von etwa 19 Wochen bis zu acht Junge zur Welt. Diese werden nach fünf Monaten geschlechtsreif.

Wovon ernähren sich Nutrias?

Die Tiere ernähren sich überwiegend vegetarisch und fressen vor allem Blätter, Stängel und Wurzeln von Wasserpflanzen. Sie futtern auch Mais, mitunter auch Schnecken und Muscheln. Nutrias fressen vor allem ab der Dämmerung und nachts, tagsüber ruhen sie sich an Gewässern aus.

Die Zahl der Nutrias in Norddeutschland soll begrenzt werden. (Archivbild)

Die Zahl der Nutrias in Norddeutschland soll begrenzt werden. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa

Welche Besonderheiten haben Nutrias?

Die Nager sind gute Schwimmer und können bis zu fünf Minuten lang tauchen - an den Hinterfüßen haben sie Schwimmhäute. An Land bewegen sie sich eher unbeholfen. Nutrias haben einen runden Schwanz, auffällige lange weiße Barthaare und gelbe oder orangefarbene Zähne. Ein einzelnes Tier kann über zehn Jahre alt werden und rund neun Kilo auf die Waage bringen. Auch die Größe ist beachtlich - Nutrias erreichen eine Länge von rund 70 Zentimetern, dazu kommt eine Schwanzlänge von rund 45 Zentimetern. Das Fell ist überwiegend rötlichbraun, am Bauch graubraun.

Nutria-Fleisch kann gegessen werden. (Archivbild)

Nutria-Fleisch kann gegessen werden. (Archivbild) Foto: Ann-Marie Utz/dpa

Was passiert mit den getöteten Nutrias?

Die meisten erlegten Tiere werden entsorgt. Nutria-Fleisch ist allerdings auch essbar und so kommt es mancherorts als Ragout, Braten oder im Burger auf den Teller. „Es ist ein dunkles, kurzfaseriges, fettarmes Fleisch, ganz zart und mild, leicht süßlich - vergleichbar mit Perlhuhn oder Fasan“, sagte Anne Muus-Seyfferth von der Cateringfirma „Hühnerkram vom Birkenplatz“ aus Schleswig-Holstein im Dezember 2025. Die Jäger prüften das Fleisch kritisch, bevor es in der Küche lande, erklärte sie. Auch in anderen Bundesländern wird Nutria-Fleisch als Lebensmittel genutzt.

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Aus Nutria-Fleisch können verschiedene Gerichte hergestellt werden. (Archivbild)

Aus Nutria-Fleisch können verschiedene Gerichte hergestellt werden. (Archivbild) Foto: Ann-Marie Utz/dpa

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