Alarmierende Bilanz: Hier in Stade greifen viele Autofahrer zum Handy
In Stade und Himmelpforten sind laut ACE 840 Fahrzeuge im fließenden Verkehr beobachtet worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Jeweils 30 Kontrollminuten in Stade und Himmelpforten reichten aus, um 38 Verstöße festzustellen. Die meisten davon an dieser Stelle - bei Tempo 70.
Stade/Himmelpforten. Mit drei Handy-Verkehrschecks in Stade und Himmelpforten beteiligte sich der ACE Kreis Stade/Landkreis Rotenburg an der bundesweiten Initiative „Kopf hoch!“. Jens-Uwe Wächter vom Auto Club Europa (ACE) überprüfte an verkehrsreichen Straßen und Kreuzungsbereichen, wie häufig Autofahrer ihr Smartphone nutzten.
Ziel der Aktion war es, auf die Gefahren der Ablenkung am Steuer aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu stärken.
B73 und A26 im Fokus
An drei Kontrollstellen in Stade und Himmelpforten beobachteten Mitglieder der örtlichen ACE-Gruppe innerhalb von jeweils 30 Minuten im Juni insgesamt 840 Fahrzeuge. „Dabei wurden 38 sichtbare Verstöße gegen das Handyverbot am Steuer festgestellt“, berichtet Wächter. Das entspreche einer Verstoßquote von 4,5 Prozent.
- Die höchsten Auffälligkeiten registrierte Jens-Uwe Wächter am Übergang der A26 zur B73 in Stade. Dort nutzten 29 von 320 Fahrzeugführenden während der Fahrt ihr Smartphone. Und das bei 70 km/h, die dort auf der Bundesstraße gelten. Die Verstoßquote lag bei 9 Prozent.
- In der Ortsdurchfahrt Himmelpforten (B73, Richtung Cuxhaven) kontrollierte der ACE 260 Fahrzeuge. Dabei wurden acht Handyverstöße dokumentiert. Dies entspricht einer Verstoßquote von 4 Prozent.
- Am Schiffertorkreisel in Stade fiel das Ergebnis deutlich niedriger aus. Dort wurde bei 260 beobachteten Fahrzeugen lediglich ein Handyverstoß festgestellt. Die Verstoßquote betrug 0,3 Prozent.
Verschärfte Kontrollen: Was Autofahrer lieber nicht tun sollten
Smartphone-Ablenkung bleibt ein Sicherheitsrisiko
Ein kurzer Blick auf das Smartphone genügt, um im Straßenverkehr zur Gefahr zu werden. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf das Display schaut, legt rund 28 Meter im sogenannten Blindflug zurück. Gerade im innerstädtischen Verkehr kann dies schwerwiegende Folgen haben – insbesondere für Radfahrer und Fußgänger.
Dabei geht es nicht um das Verhalten an Ampeln, sondern ausschließlich beim Fahren.
„Unsere Kontrollen zeigen, dass das Smartphone für viele Autofahrende leider noch immer eine zu große Rolle spielt. Besonders an stark befahrenen Straßen sehen wir, wie schnell aus einem kurzen Blick auf das Display eine gefährliche Situation entstehen kann. Unser Ziel ist es nicht, Verkehrsteilnehmende an den Pranger zu stellen, sondern für die Risiken zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass jede Ablenkung schwerwiegende Folgen haben kann“, erklärt Jens-Uwe Wächter.
Auch die Unfallstatistik verdeutlicht die Problematik: Im Jahr 2024 wurden bundesweit 8722 Unfälle mit Personenschaden auf Ablenkung zurückgeführt. In 1039 Fällen spielte die Nutzung elektronischer Geräte nachweislich eine unfallursächliche Rolle. Insgesamt kamen dabei 25 Menschen ums Leben.
Mehr Männer als Frauen auffällig
Auf Autobahnen wird laut Studie der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (Bast) das Smartphone am häufigsten genutzt, gefolgt von außerorts. Am seltensten wird es innerorts genutzt. Im Detail ließ sich den Angaben der Bast zufolge am häufigsten beobachten, dass Pkw-Fahrer ihr Smartphone während der Fahrt in der Hand hielten, ohne dabei zu sprechen, oder dass eine manuelle Bedienung im Bereich der Mittelkonsole erfolgte. Männer nutzten ihr Smartphone häufiger als Frauen, erklärte die Bundesanstalt.
Bei Radfahrern lag bei den Beobachtungen der Bundesanstalt in 2,4 (2022: 3,6) Prozent der Fälle eine aktive Nutzung und in 8,8 (2022: 7,9) Prozent der Fälle eine potenzielle Nutzung des Smartphones vor. Die Nutzung war demnach bei Radfahrern nachmittags am höchsten. Pkw-Fahrer waren häufiger am Vormittag abgelenkt, im Tagesverlauf nahm ihre Smartphone-Nutzung ab.
Stärkere Kontrollen gefordert
Auch der ADAC spricht von einer gefährlichen Gewohnheit. „Neben Aufklärung brauchen wir eine konsequente Überwachung bestehender Regeln. Nur wenn die Gefahr der Entdeckung steigt, wird sich das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer nachhaltig ändern“, erklärte der ADAC. Verstärkte Kontrollen seien deshalb wichtig.
Als erstes Bundesland habe Rheinland-Pfalz für Handyblitzer etwa von Brücken aus eine Rechtsgrundlage geschaffen. Diese sei auch in anderen Bundesländern eine Voraussetzung für einen Einsatz.
Fachleute für höhere Strafen für Handysünder
Über die ACE-Clubinitiative „Kopf hoch!“
Mit der Clubinitiative „Kopf hoch!“ führen rund 700 Ehrenamtliche des ACE Auto Club Europa bundesweit Handy-Verkehrs-Checks an mehr als 250 innerörtlichen Kreuzungen durch. Mit Hilfe eines standardisierten Erhebungsbogens wird dokumentiert, wie häufig Autofahrer während der Fahrt sichtbar ein Smartphone benutzen. Ziel der Aktion ist es, auf die Risiken der Smartphonenutzung am Steuer aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu stärken. (tip/dpa)
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