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75.000 Euro weg: Tostedter fällt auf Online-Trading-Betrüger herein

Die Opfer dachten, sie investieren auf Trading-Plattformen - in Wahrheit überwiesen sie das Geld an Betrüger (Symbolbild).

Die Opfer dachten, sie investieren auf Trading-Plattformen - in Wahrheit überwiesen sie das Geld an Betrüger (Symbolbild). Foto: Fabian Sommer/dpa

Im Stader Nachbarkreis wurden bereits mehrere Menschen Opfer eines Betrugs. Statt hoher Renditen beim Online-Trading erwartete sie ein großer Verlust. Die Zahl der Fälle steigt.

Von Redaktion Mittwoch, 18.02.2026, 11:40 Uhr

Landkreis Harburg. Ein Buchholzer verlor im vergangenen halben Jahr mehr als 30.000 Euro durch angebliche Investitionen im Online-Handel, bei Tostedt investierte ein Mann kürzlich rund 75.000 Euro - und verlor das Geld an Betrüger. „In den vergangenen Monaten verzeichnete die Polizei im Landkreis Harburg einen Anstieg von Fällen des Anlagebetrugs“, sagt Jan Krüger, Sprecher der Polizeiinspektion Harburg. Vor allem mit vermeintlichen Online-Trading-Plattformen haben die Betrüger im Stader Nachbarkreits ihre Opfer ausgenommen.

Das Versprechen: Hohe Renditen

Die Täter versprechen hohe Renditen durch Investitionen in Kryptowährungen, Aktien, Devisen oder Rohstoffe. „Tatsächlich handelt es sich in vielen Fällen um professionell organisierte Betrugsstrukturen“, warnt Krüger.

So läuft die Masche mit dem Online-Trading

Die Geschädigten werden häufig über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, E-Mail oder Werbeanzeigen im Internet kontaktiert. Angebliche Finanzberater nehmen teilweise auch telefonisch Kontakt zu ihren Opfern auf. „Die Täter geben sich als seriöse Broker oder Mitarbeiter bekannter Handelsplattformen aus“, berichtet der Polizeisprecher.

Nach der ersten Kontaktaufnahme werden die Betroffenen aufgefordert, sich auf einer vermeintlichen Handelsplattform zu registrieren und eine erste Einzahlung zu tätigen. „Die Internetseiten wirken professionell gestaltet und zeigen scheinbar reale Kursentwicklungen sowie hohe Gewinnzuwächse an“, erklärt der Polizist. Oft werden die Betrugsopfer auch aufgefordert, Fernwartungssoftware auf ihrem Computer oder Smartphone zu installieren. „ Dadurch erhalten die Täter direkten Zugriff auf Endgeräte und können Überweisungen eigenständig ausführen oder sensible Daten ausspähen“.

Mit diesen Tricks schaffen Betrüger Vertrauen

Besonders perfide: In einigen Fällen werden den Opfern gefälschte Dokumente, Kontoauszüge oder sogar angebliche behördliche Schreiben per E-Mail oder Fax übersandt, um Seriosität vorzutäuschen.

Auch mit Auszahlungsanforderungen sollen die Geschädigten in Sicherheit gewiegt werden. Dabei überweisen die Kriminellen zunächst kleine Beträge zurück an ihre Opfer, um Vertrauen zu schaffen. „Sobald jedoch höhere Summen investiert wurden, bricht der Kontakt ab oder es werden angebliche ‚Steuern‘, ‚Provisionen‘ oder ‚Freischaltgebühren‘ für die Auszahlung verlangt“, teilt der Polizeisprecher mit.

Betrugsopfer verschulden sich für die erwartete Rendite

Auf diesem Weg können die Betrüger hohe Beträge von ihren Opfern erbeuten: Laut Krüger bewegen sich die Schadenssummen häufig im fünf- bis sechsstelligen Bereich. In der Hoffnung auf schnelle Gewinne investieren viele der Geschädigten demnach ihre gesamten Ersparnisse oder nehmen Kredite auf.

Die Täter agieren meist aus dem Ausland, so der Polizeisprecher. Das erschwere die Strafverfolgung.

So erkennt man den Online-Trading-Betrug

Die Polizei rät zur besonderen Vorsicht bei:

  • Unaufgeforderter Kontaktaufnahme mit Investmentangeboten
  • Unrealistisch hohen Renditeversprechen bei geringem Risiko
  • Zeitdruck („Sonderchance“, „nur heute verfügbar“)
  • Aufforderung zur Installation von Fernwartungssoftware
  • Zahlungsaufforderungen ins Ausland oder auf Konten Dritter
  • Fehlendem oder unklarem Impressum der Webseite
  • Kommunikation ausschließlich per Messenger oder Telefon.

So kann man sich vor den Online-Betrügern schützen

Folgende Tipps sollte man beim Online-Trading beachten:

  • Prüfen Sie Anbieter sorgfältig und recherchieren Sie unabhängig im Internet.
  • Informieren Sie sich, ob das Unternehmen über eine Zulassung der zuständigen Finanzaufsichtsbehörde verfügt.
  • Überweisen Sie kein Geld an unbekannte Personen oder Firmen ohne gesicherte Identität.
  • Installieren Sie keine Fernwartungsprogramme auf Aufforderung unbekannter Dritter.
  • Sprechen Sie mit Vertrauenspersonen, bevor Sie größere Geldbeträge investieren.

Das Geld ist schon überwiesen - was jetzt?

Wer Opfer eines solchen Online-Trading-Betrugs geworden ist und den Tätern vielleicht schon Geld überwiesen hat, sollte schnell handeln:

  • Informieren Sie umgehend Ihre Bank und versuchen Sie, Überweisungen zu stoppen.
  • Sichern Sie sämtliche Kommunikationsverläufe, E-Mails, Überweisungsbelege und Screenshots.
  • Erstatten Sie Anzeige bei Ihrer örtlich zuständigen Polizeidienststelle.

“Seien Sie wachsam und lassen Sie sich nicht von professionell wirkenden Internetauftritten oder vermeintlichen Experten täuschen“, appelliert Jan Krüger an die potenziellen Opfer. Seriöse Geldanlagen seien stets mit Risiken verbunden - garantierte Gewinne gibt es nicht.

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