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24-Stunden-Serie

TWie sage ich es meinem Jagdhund?

Der Deutsch Drahthaar Thori (links) und der Deutsch Langhaar Maico beim freien Spiel nach dem Ende der Hundeschule für die Youngsters.

Der Deutsch Drahthaar Thori (links) und der Deutsch Langhaar Maico beim freien Spiel nach dem Ende der Hundeschule für die Youngsters.

Was auf einer Wiese in Buxtehude passiert, üben Menschen und Hunde schon seit 40 000 Jahren zusammen aus: die Jagd. Die Ausbildung ist im Einzelfall aber immer wieder eine Herausforderung für das erfolgreichste Mensch-Tier-Gespann der Geschichte.

Dienstag, 24.08.2021, 12:00 Uhr

Dumm ist der Große Münsterländer „Balu“ nicht. Der junge Jagdhund soll im hohen Gras eine tote Ente finden. Ausbilder Gerd Bohmbach hat mithilfe des Kadavers eine Fährte im rechten Winkel über die Wiese gezogen, und Besitzerin Petra Pankel gibt das Kommando. Der Münsterländer sieht aber den Fotografen und den Ausbilder in der Nähe des versteckten Suchobjekts und rennt mit hoher Geschwindigkeit direkt auf die beiden los. Das ist deutlich einfacher als die Fährte zu suchen.

Im zweiten Versuch klappt das besser. Die Ente wird gefunden und zu Petra Pankel zurückgebracht. Gerd Bohmbach ist Vorsitzender und Ausbilder des Jagdhundegebrauchsvereins (JGV) Stade. Der Verein hat ungefähr 600 Mitglieder und bildet im Jahr etwa 100 Hunde zu gebrauchsfähigen Jagdhunden aus. Neben dem praktischen Nutzen schreibt das Niedersächsische Jagdgesetz vor, dass Revierinhaber mindestens einen „brauchbaren Jagdhund“ haben müssen.

Der JGV Stade ist Veranstalter von je einer Welpenschule in Jork und in Kakerbeck, eines Hundeführerlehrganges in Eilendorf und Umgebung und mehrerer Gruppen, in denen bereits fertig ausgebildete und geprüfte Jagdhunde und deren Führer in Übung gehalten werden.

Mensch und Wolf profitierten voneinander

Wie die enge Bindung zwischen Mensch und anfänglich dem Wolf in der Steinzeit angefangen hat, ist Gegenstand vieler Theorien. Bei der Suche nach Nahrung und der Jagd auf Beute konnte man voneinander profitieren. Dass Menschen wie Gerd Bohmbach einen besonderen Draht zu Hunden haben, wird schnell klar. Obwohl die in seinem Hundeführerlehrgang für die Herbstzuchtprüfung trainierten Hunde eineinhalb Jahre alt und damit im schlimmsten Teenager-Alter sind, werden die meisten Aufgaben gut erledigt.

 

„Gerd Bohmbach hat in seinem kleinen Finger mehr Hundeverstand als die meisten anderen im ganzen Körper“, sagt der Buxtehuder Jäger und JGV-Vorstandsmitglied Hinrich Gründahl. „Wie sage ich es meinem Hund“, beschreibt Gründahl das Problem einer jeden Hundeausbildung und zitiert dabei den Gründer des JGV, Gerd Heinssen.

Der Große Münsterländer „Balu“ apportiert eine Ente. Das Finden und Zurückbringen gehört zu den „Kernaufgaben“ eines Jagdhunds. Fotos: Wisser

Der Große Münsterländer „Balu“ apportiert eine Ente. Das Finden und Zurückbringen gehört zu den „Kernaufgaben“ eines Jagdhunds. Fotos: Wisser

Am Ende der Ausbildung stehen Prüfungen, die dem Halter und Jäger die vom Gesetzgeber geforderte „Brauchbarkeit“ des Tiers bescheinigen. „Die Fähigkeit zur sozialen Einordnung, Ruhe, Arbeitsfreude und Führigkeit sowie Härte beim jagdlichen Einsatz sollen sein Wesen kennzeichnen und Voraussetzung für den Nachweis der jagdlichen Brauchbarkeit sein“, beschreibt Gerd Bohmbach das Ziel der Ausbildung. Der eine Übungsabend in der Woche gibt dabei nur die Richtung vor. Die Teilnehmer müssen fast täglich zu Hause weiter üben.

Sozialisierung der Tiere spielt große Rolle

„Unsere Hunde sind alle Familienhunde“, sagt Petra Pankel. Ihr Münsterländer sitzt tagsüber mit im Büro. Das Bild vom aggressiven Tier in Zwingerhaltung passt schon lange nicht mehr auf die moderne Jagdhunde-Ausbildung. Die Sozialisierung der Tiere spielt eine große Rolle. „Heute können wir die Hunde problemlos zusammen laufen lassen. Da hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel getan“, sagt Burghard Fischer, Schriftwart des Vereins. Der Satz „das letzte Kind hat vier Beine und Fell“ beschreibt das Verhältnis zwischen Jäger und seinem Hund heutzutage wohl am besten, meint er.

Wie sage ich es meinem Jagdhund?

Und dann holt Gerd Bohmbach doch das Gewehr raus. Geschossen wird aber in der Ausbildung nur in die Luft, um einen runden Gummi-Körper wegzuschießen. Die toten Tiere, die zur Ausbildung genutzt werden, sind bei Jagden erlegt worden oder Unfallopfer und eingefroren worden. Die Waffe ist an diesem Trainingsabend Teil einer Übung, die zu den wichtigsten gehört.

Kommando "down" ist überlebenswichtig

Das Kommando „down“ wird gelernt. Die Aufgabe des Hundes ist es, sich in voller Aktion nach einem Pfiff aus der Hundepfeife sofort hinzulegen. Bei der Jagd kann es immer zu gefährlichen Situationen kommen und in Deutschland ist auch die nächste Straße nicht weit. „Das Kommando ist überlebenswichtig“, sagt Gerd Bohmbach.

Dass die Hunde schon sozialisiert und gehorsam zum Hundeführerlehrgang kommen, dafür ist Susanne Lorenz mitverantwortlich. Sie leitet die Welpenschule in Kakerbeck. Auf der Wiese in Buxtehude ist sie mit einer Gruppe dabei. Den Hund ablegen, einige Meter weggehen und ihn dann heranrufen. Jede erfolgreiche Übung wird vom Hundeführer mit Streicheleinheiten und einem „Leckerli“ belohnt. „Was wir in den ersten Wochen trainieren“, unterscheidet sich eigentlich kaum von anderen Welpenschulen“, sagt Susanne Lorenz.

Susanne Lorenz leitet die Welpenschule. Die Hundepfeifen sind wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Sie kann der Hund noch hören, wenn er keinen Sichtkontakt zum Menschen mehr hat.

Susanne Lorenz leitet die Welpenschule. Die Hundepfeifen sind wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Sie kann der Hund noch hören, wenn er keinen Sichtkontakt zum Menschen mehr hat.

Neben den Grundübungen wie Sitz und Platz gehören aber auch der Gebrauch der Hundepfeife und die Wassergewöhnung dazu. Auf der Wiese in Buxtehude sind die unterschiedlichsten Hunderassen vertreten. Als am Ende der Übungseinheit der Welpengruppe alle Hunde von der Leine losgemacht werden, zeigt sich der Erfolg der Ausbildung. Labrador Retriever, Deutsch Drahthaar, Münsterländer und Dackel tollen und springen durch die Gegend und spielen enthusiastisch miteinander. Es gibt keine Beißerei oder andere Probleme. Im Jagdhundegebrauchsverein funktioniert auch jetzt die Kommunikation zwischen Hunden und Menschen reibungslos.

Serie: Die 24-Stunden-Reportage

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist um 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die geplanten Folgen in diesem Sommer:

Teil 1: Andruck beim TAGEBLATT

Teil 2: In der Rettungsleitstelle

Teil 3: Auf Stadersand

Teil 4: In der Intensivstation

Teil 5: Beim Brötchen-Imbiss

Teil 6: Im Molkerei-Tankwagen

Teil 7: Krafttraining beim BSV

Teil 8: Packen des Verkaufswagens

Teil 9: Der Spül- und Saugwagen

Teil 10: Rattenfänger bei der Arbeit

Teil 11: 1000 Essen in der Küche

Teil 12: Am Oste-Sperrwerk

Teil 13: Beim Mittagstisch

Teil 14: Auf der Greundiek

Teil 15: Bei der Wasserschutzpolizei

Teil 16: Beim Minigolf

Teil 17: Die DJs von der Elbe

Teil 18: Auf der Eier-Farm

Teil 19: Beim Strandwächter

Teil 20: Ausbildung zum Jagdhund

Teil 21: Am Lühe-Anleger

Teil 22: Katzen fangen

Teil 23: Kneipen-Kehraus

Teil 24: Der letzte Zug

Alle bereits erschienenen Teile unter: www.tageblatt.de/24stunden

Wie sage ich es meinem Jagdhund?

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